Verhaltensweisen


Kapitel

Komfort- und Ruheverhalten

Aktivitätsverhalten



Die dem Sozialverhalten zugehörigen Verhaltensweisen, Körpersprache, Lautsprache etc. werden auf entsprechenden Seiten erläutert. Neben dem Sozialverhalten zeigen Kaninchen auch noch andere Verhaltensweisen, die nicht der Kommunikation dienen. Auch hier müssen Verhaltensweisen immer im Kontext gesehen werden.


Komfort- und Ruheverhalten

Neben dem Komfortverhalten untereinander gibt es weitere Verhaltensweisen, die sich hier einordnen lassen. Das Komfortverhalten wird gerne an geschützten Plätzen ausgeübt. Zu diesem Verhalten zählen Beispielweise Strecken, Gähnen, Putzen, Schütteln und Wälzen.


Ruhepositionen

Kaninchen können verschiedene Ruhepositionen einnehmen. Je nach Anspannung und äußeren Gegebenheiten. Bevorzugt werden geschütze Bereiche, einige Kaninchen buddeln Mulden, in denen sie Ruhen können.

Mögliche Positionen sind:

  • Aufrechtes Sitzen auf den Hinterpfoten
  • Zusammengekauertes Sitzen
  • Liegen mit seitlich ausgestreckten Beinen
  • Liegen in Seiten- oder Bauchlage mit eingezogenen oder nach hinten gestreckten Beinen
  • Liegen auf dem Rücken

Tiefschlafphasen dauern bei Kaninchen nur wenige Sekunden bis Minuten.

Abbildung 1: Ruhe- und Schlafpositionen. Kaninchen können auf unterschiedliche Weise ruhen: Bauch-Seitenlage (1), Eingerollte Bauchlage (2),aufrechtes Sitzen (3), zusammengekauertes Sitzen (4) , Seitenlage (5).


©Alexandra Stoffers - flickr.com ©Alexandra Stoffers - flickr.com


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Strecken

Besonders nach dem Aufwachen strecken und gähnen Kaninchen häufig. Durch das dehnen und strecken bereiten Kaninchen ihre Muskeln auf die Bewegung vor.





Wälzen

Wälzen lässt sich vor allem in frischem Sand beobachten und dient vermutlich der Körperpflege und dem Wohlbefinden.


Körperpflege

Die Körperpflege ist wichtig für Kaninchen. Sie müssen ihr Fell, welches sie vor Wettereinflüssen schützt in gutem Zustand halten. Drei verschiedene Formen der Körperpflege können unterschieden werden:

  • Lecken
  • Knabbern
  • Kratzen

Um ihre Ohren zu reinigen können Kaninchen diese unter ihr Kinn ziehen und so putzen. Durch kratzen mit den Hinterbeinen können sie die Innenseite reinigen. Um das Gesicht zu reinigen setzen sie sich auf die Hinterbeine und reinigen das Gesicht mit ihren beiden Vorderfüßen. Auch die Füße müssen sauber gehalten werden. Durch knabbern und lecken können sie Schmutz entfernen.



Aktivitätsverhalten

Zum Aktivitätsverhalten von Kaninchen zählen Beispielweise Bewegung, Futteraufnahme, Hartkotausscheidung, Wasseraufnahme und Urinausscheidung. Stark abhängig ist dieses Verhalten von Jahreszeit, Futterangebot, Klima, Populationsdichte, Mondlicht, Temperatur, Wind, Regen, sozialen Status, Trächtigkeit, Geschlecht, Alter und vorkommen von Räubern.

In sehr kalten Nächten halten sich die eigentlich Nacht- und Dämmerungsaktiven Tiere zeitweise auch im Bau auf. Die Hauptaktivitätszeit von Kaninchen liegt in den frühen Abendstunden und der Morgendämmerung. Bei Helligkeit halten sich die Tiere normalerweise kaum im Freien auf.


©Laura Wiesner ©Laura Wiesner
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Auf die Hinterpfoten aufrichten

Das Kaninchen möchte mehr Übersicht und ist aufmerksam. Auf die Hinterbeine richten die Tiere sich auch auf um an höher gelegene Sachen zu gelangen oder zu betteln.

Abbildung 2 : Aufrichten. Auf den Hinterbeinen lässt sich die Umgebung besser überblicken. Werden die Tiere gestört Prüfen sie so ihr Umfeld. Aber auch Futter lässt sich auf den Hinterbeinen erreichen (rechts).


©Alexandra Stoffers - flickr.com ©Alexandra Stoffers - flickr.com

Buddeln/Scharren

Kaninchen legen unter natürlichen Bedingungen Bauten an. Graben und Buddeln dient auch dem Stressabbau. Kaninchen in Paarungsstimmung sowie trächtige oder scheinschwangere Weibchen scharren unruhig. Auch können Duftmarken von Artgenossen verscharrt werden.

Bietet der Boden nicht ausreichend Möglichkeiten, werden auch Decken oder Kleider zum herwühlen genutzt. Kaninchen sollten immer die Möglichkeit haben, ihrem Buddeltrieb nachzukommen.


Haken schlagen, in die Luft springen

Kaninchen schlagen Haken und springen in die Luft, um Beutegreifer oder jagende Artgenossen abzuschütteln. Viele Tiere zeigen dieses Verhalten auch, wenn sie nicht verfolgt werden.

Von Menschen wird dieses Verhalten oft als Lebensfreude interpretiert. Beobachten lässt es sich oft auf neuem Gebiet, beim entlassen in den Freilauf und im Frühjahr. Kaninchen bauen mit diesen Sprüngen Anspannung ab. Dieses Verhalten kann daher völlig unterschiedliche Ursachen haben.

Abbildung 3 : Luftsprünge. Kaninchen machen aus verschiedenen Gründen Luftsprünge. Daher ist bei der Interpretation eines solchen Verhaltens Vorsicht geboten.


©Alexandra Stoffers - flickr.com ©Alexandra Stoffers - flickr.com
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Kot fressen

Kaninchen spalten Nahrung im Blinddarm auf, scheiden diese aus, fressen und verdauuen sie erneut. Blinddarmkot wird direkt aus dem After aufgenommen. Liegt er herum, kann dies an Überversorgung mit verschiedenen Nährstoffen liegen, aber auch Hinweis auf Erkrankungen sein.

Abbildung 4: Kotaufnahme. Kaninchen nehmen Blinddarmkot direkt aus dem After auf.


Markieren

Kaninchen markieren ihr Revier mittels spezieller Sekreten, wobei der Kinndrüse eine besondere Rolle zukommt. Auch mit Kot- und Urin wird markiert, wobei sich diese Plätze vermehrt an den Reviergrenzen finden. Mit der Kinndrüse markieren die Gruppenmitglieder markante Geländepunkte und Baueingänge, der dominante Rammler markiert Gruppenmitglieder und erzeugt so einen Gruppengeruch. (Leicht 1979)

Der Kot des Wildkaninchens enthält eine stark riechende Substanz, die dem Kot beim absetzten aus den Analdrüsen beigegeben wird. Insbesondere der ranghöchste Rammler markiert damit markante Stellen, an denen sich dadurch größere Kotmengen ansammeln.


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Nestbau

Hitzige, schwangere oder scheinschwangere Weibchen können Nestbau betreiben. Dafür sammeln sie Heu, Gräser, manche Tiere rupfen sich Fell aus.


Feindverhalten

Bei Gefahr haben Kaninchen drei Möglichkeiten zur reagieren:

  • Flucht
  • Angriff
  • Erstarren

Als Fluchttiere versuchen Kaninchen bei Annäherung eines Feindes den Abstand zu diesem zu vergrößern. Kaninchen müssen ständig ihr Gebiet sichern und befinden sich in dauernder Fluchtbereitschaft (Leicht 1979).

So unterbrechen die Kaninchen Aktivitäten außerhalb des Baues in kurzen Abständen und beobachten aufmerksam die Umgebung. Besonders beim Verlassen des Baues wird die Umgebung intensiv geprüft. Wird etwas verdächtiges bemerkt, flüchtet es nach Möglichkeit sofort in den Bau. Bei Gefahr werden Gruppenmitglieder durch Warntrommeln aufmerksam gemacht, wobei diese entweder flüchten oder die Umgebung prüfen.

Ist der Bau für eine Flucht zu weit entfernt, versuchen Kaninchen sich in dichtem Gestrüpp oder ähnlichen schutzbietenden Möglichkeiten zu verkriechen. Wichtig ist für sie dabei der Körperkontakt zu den Wänden des Versteckes. Bei ihrer Flucht nutzen die Kaninchen meistens feste Fluchtwege Richtung Bau. Flächen ohne Deckung werden nach Möglichkeit gemieden, bei der Überquerung von freiem Gelände bewegt sich das Kaninchen in kurzen, schnell und unregelmäßigen Sätzen. Ähnlich dem Feldhasen schlägt es Haken.

Hat das Kaninchen keine Möglichkeit zur Flucht oder zum Angriff kann es erstarren und regungslos verharren.

In einer Gruppe gibt es häufig ein Kaninchen, dass Wache hält um seine Artgenossen vor möglichen Gefahren zu warnen. Besonders gerne nutzen die Kaninchen dabei Erhöhungen, von denen aus sie möglichst weite Flächen kontrollieren können. Dieses Verhalten lässt sich gehäuft in der Dämmerung und Nachts beobachten.

Abbildung 5: Starre. Ein Kaninchen kann regungslos verharren. So kann es vermeiden Fressfeinde auf sich aufmerksam zu machen.



Quellen

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Creutz, G. (1953) in Leicht, Walter H.: Tiere der offenen Kulturlandschaft, Heidelberg, Quelle und Meyer; Teil 1, Feldhase, Wildkaninchen; 1979; Ethologie einheimischer Säugetiere, 1; ISBN 3-494-00937-6

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Leicht, Walter H.: Tiere der offenen Kulturlandschaft, Heidelberg, Quelle und Meyer; Teil 1, Feldhase, Wildkaninchen; 1979; Ethologie einheimischer Säugetiere, 1; ISBN 3-494-00937-6

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Mitsch, U. : Untersuchungen zu extensiv bewirtschaftetem Ansaat- und Dauergrünland unter Beweidung durch Ochsen und Färsen – Schwerpunkt: selektive Futteraufnahme –, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2009