Problematische Zuchten - Qualzuchten


Kapitel

Definition

Albinokaninchen - Kaninchen mit Mangel an Pigmenten

Langhaarkaninchen

Punktschecken

Rexkaninchen

Riesenwuchs

Widder

Zwergenwuchs



Definition

Als Qualzucht werden Zuchtformen bezeichnet, welche mit der Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen einhergehen. Die Qualzucht ist für Wirbeltiere in Deutschland nach § 11b des Tierschutzgesetzes – außer für wissenschaftliche Zwecke verboten.

Einige Zuchtformen schränken das Tier stark ein, andere können bei entsprechender Pflege durch den Menschen trotz allem problemlos tiergerecht gehalten werden. Andere wiederum sind aufgrund ihrer Vererbung problematisch. Nicht immer sind alle Tiere gleichermaßen stark betroffen. Eine vernünftige Zuchtauswahl kann durchaus starken Einfluss nehmen. Hier werden Problematiken aufgeführt, die eintreten können, aber nicht eintreten müssen.

Zwischen Qualzuchten und problematischen Zuchten ist daher zu differenzieren.



Albinokaninchen - Kaninchen mit Mangel an Pigmenten

Als Albino bezeichnet man Kaninchen, die keine Pigmente (Melanin) besitzen. Ursache ist der Verlust der Funktion der Tyrosinase. Ein Enzym, welches an der Synthese von Melanin beteiligt ist. Dadurch kann keim Pigment mehr hergestellt werden, die Tiere haben weißes Fell, rosa Haut und rote Augen.

Durch Mutationen, bei denen die Funktion der Tyrosinase nicht komplett verloren geht, sondern nur teilweise eingeschränkt wird, bezeichnet man als Teilalbinos.

Dies findet man z.B. bei Marder- bzw. russenfarbigen Kaninchen. Die Tyrosinase ist bei dieser Mutation hitzeempfindlich, kann also nur dann arbeiten, wenn es ausreichend kühl ist. Kältere Körperregionen wie Ohren, Pfoten und Schwanz sind gefärbt bzw. intensiver gefärbt als Regionen, die wärmer sind. Zudem spielt auch die Umgebungstemperatur eine wichtige Rolle.


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Abbildung 1: Albino. Durch den Verlust der Tyrosinase wird kein Pigment hergestellt.
Abbildung 2: Teilalbino. Durch eine Fehlfunktion der Tyrosinase sind kältere Körperregionen stärker pigmentiert.


Eine weitere Störung kann beim Transport der Tyrosinase auftreten. Dadurch ist die gesamte Pigmentmenge, insbesondere aber das braun-schwärzliche Eumelanin reduziert. Bei den sogenannten Lutions ist das Fell aufgehellt, die Augen enthalten wenig bis kein Pigment.

Kaninchen mit roten Augen sind empfindlicher gegen Sonnenlicht. Der Mangel an Pigment in Fell und Haut macht die Tiere anfälliger gegenüber Hautschäden.

Nicht alle weißen Kaninchen sind Albinos. Ein Mangel an Pigment tritt auch beim Leuzismus auf. Während beim Albino das Enzym zur Farbbildung komplett oder teilweise geschädigt ist, ist es bei Kaninchen mit Leuzismus vorhanden. Allerdings fehlt es an pigmentbildenden Zellkörperchen in den Farbzellen der Haut. Normalerweise wandern in der frühembryonalen Entwicklung die Pigmentkörperchen in die Farbzellen. Beim Leuzismus ist dieser Prozess entweder teilweise (z.B. Holländerkaninchen) oder komplett (z.B. bei blauäugigen Hermelinkaninchen) gestört. Allerdings erhalten Bereiche, die die in direkten Zusammenhang mit dem zentralen Nervensystem stehen noch Pigmente. Deshalb sind die Augen blau und nicht rot, denn die untere Schicht der Regenbogenhaut ist noch pigmentiert.

Info

Melanine sind die Pigmente, die für Fell-, Haut- und Augenfarbe zuständig sind. Es gibt verschiedene Varianten dieser Melanine, das braun-schwärzliche Eumelanin und das hellere gelblich-rötliche Phäomelanin. Gebildet werden Melanine in den Melanozyten bzw. in den Melanosomen. Das sind kleine membranumschlossene Bläschen innerhalb der Melanozyten. Eine wichtige Rolle bei der Synthese von Melanin spielt die Tyrosinase, ein Enzym.



Langhaarkaninchen

Besonders in warmen Jahreszeiten wird diesen Tieren eine übermäßige Belastung des Körpers zugemutet. Die durch den Stoffwechsel entstehende Abfallwärme kann dann wegen des dichten, wachsenden Vlieses nicht ausreichend abgeführt werden. Folge davon sind häufig der Rückgang von Futteraufnahme und Reproduktionsleistung. Auch die Aufnahme von Blindarmkot (Caecotrophie) wird durch zu langes Haar stark behindert. Die Tiere schlucken vermehrt Haare ab, wodurch sich Haarballen bilden und im Magen-Darm-Trakt anhäufen können.


Abbildung 3: Langhaarkaninchen. Kaninchen wie der Zwergangora oder Kaninchen mit Teddyfell können aufgrund der langen Haare vermehrt Probleme bekommen.


Ein besondere Pflege durch den Besitzer (scheren, regelmäßiges bürsten) ist bei Langhaarrassen unbedingt nötig. Langhaarzucht birgt einige Risiken und es ist daher fraglich, ob solche Zuchtformen, sofern nicht von wirtschaftlichem Nutzen, wirklich erstrebenswert sind.



Punktschecken

Die Punktscheckung wie sie Beispielsweise bei Mecklenburger Schecke, Rheinische Schecken, Englische Schecken vorkommt, beruht auf dem Wirken des unvollständig dominanten Allels K. Diese Schecken sind heterozygot (K/k). Ein homoozygotes Tier (K/K) wird auch als Weißlinge oder Chaplin bezeichnet.


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Abbildung 4: Punktschecken. Bei einer Verpaarung solcher Kaninchen kann es zu sogenannten Weißlingen kommen.


Bei einigen dieser Chaplins tritt eine mehr oder weniger tretende Konstitutionsschwäche zutage. Es zu einer Fehlbildungen im Darmbereich, mitunter bedingt durch eine Fehlfunktion der Nerven in entsprechenden Bereichen kommen. Die Resorptionsfähigkeit ist vermindert, häufig kommt es bei diesen Kaninchen zu einem Megakolon.

Diskutiert werden Effekt des Scheckengens selbst sowie ein weiteres, rezessives Gen, welches gekoppelt mit dem Scheckengen vererbt wird. Da dieses Problem auch unabhängig vom auftreten des Scheckengens beobachtet wird, ist es möglich, dass es sich um ein zusätzliches Gen handelt, welches auch vom Scheckengen entkoppelt werden kann und dadurch auch bei nicht homozygoten Schecken für entsprechende Probleme sorgt.

Bei entsprechendem Fachwissen ist eine Zucht von Punktschecken möglich, ohne dabei Gesundheit der Tiere aufs Spiel zu setzten. Auf eine entsprechende Zuchtauswahl muss geachtet werden. Es sollte ausschließlich mit Linien gezüchtet werden, in denen keine Probleme zu beobachten sind.

Info

Als Megakolon wird eine mit chronischer Verstopfung einhergehende Erweiterung des Dickdarms bezeichnet.



Rexkaninchen

Das Rexkaninchen hat unregelmäßig entwickelte Grannenhaaare, welche Einschnürungen, Verdickungen und Kräuselungen zeigen. Sie sind in gleicher Zahl wie beim Normalhaarkaninchen vorhanden, überragen die Unterwolle aber wenig bis gar nicht. Die Schnurr- und Spürhaare sowie die Wimpern der Rexkaninchen sind um die Hälfte verkürzt und verbogen.

Stammen die Tiere aus guten Zuchten, bereitet ihnen das Rexfell auch in Außenhaltung keine Probleme. Lediglich die verkürzten Tasthaare können dazu führen, dass die Kaninchen weniger schnell in Bauten fliehen können.

Rexkaninchen aus mangelhafter Zucht können löchriges Fell und fehlerhafte Haut aufweisen. Ihr Fell saugt sich bei Nässe mit Wasser voll und bereitet den Tieren erhebliche Probleme.

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Abbildung 5: Rexkaninchen. Stammen die Tiere aus guten Linien können sie problemlos in Außenhaltung leben.



Riesenwuchs

Wilde Kaninchen erreichen ein Gewicht von 1,5 und 2 kg. Zuchtformen des Hauskaninchens können ein Gewicht von über 10 kg erreichen. Allerdings können sehr große und schwere Kaninchen mit Kreislaufproblemen (geringere Verträglichkeit von Narkosen) sowie übermäßiger Belastung von Skelett und Gelenken zu kämpfen haben. Die Lebenserwartung kann durch extremen Riesenwuchs verringert sein.

Verantwortungsvolle Züchter achten daher darauf, das Höchstgewicht der Rasse nicht zu überschreiten.



Widder

Die Ohren eines Kaninchens dienen dazu, den Schall einzufangen und in den Gehörgang zu leiten. Weiterhin dienen sie als Kommunikationsmittel.

Die Ohren des Widders hängen seitlich am Kopf, viele Widder sind kaum bis gar nicht mehr in der Lage, ihre Ohren aufzurichten. Dadurch wird ihre Wahrnehmung und ihre Fähigkeit zur Kommunikation eingeschränkt.

Ein weiterer Nachteil der hängenden Ohren ist, dass es den Tieren weniger möglich ist, sie durch anlegen bei Rangeleien zu schützen. Dadurch kann es leichter zu Verletzungen kommen.

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Abbildung 6: Widder. Die hängenden Ohren schränken bei den Widdern mitunter die Kommunikation und das Hörvermögen ein.



Zwergenwuchs

Das Gen Dw führt zu einer Verzwergung von Kaninchen. Typzwergen, welche die typischen Merkmale des Zwergwuchses aufzeigen, sind heterozygot (Dw/dw). Homozygote Tiere sind nicht lebensfähig.

Bedenken gibt es insbesondere Aufgrund des kleinen Kiefers und häufig auftretender Zahnprobleme. Nichts desto trotz gibt es viele gesunde Kaninchenzwerge, die zeigen, dass bei einer passenden Zuchtauswahl und Aufzucht derartige Probleme vermieden werden können.

Verantwortungsvolle Züchter achten darauf, das Minimalgewicht von 1 kg Lebendgewicht bei ausgewachsenen Tieren nicht zu unterschreiten, um negative Auswirkungen des Zwergwuchses zu vermeiden.

Abbildung 7: Zwergwuchs.



Quellen

Claaßen, W.: Hörschwellenbestimmung mittels früher akustisch evozierter Potentiale zur klinischen Diagnostik bei gesunden und erkrankten Kaninchen mit Kopfschiefhaltung, Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover, 2004

3. Sächsischer Kaninchentag (2003): Stand der Kaninchenzucht in Sachen und neue Erkenntnisse aus Zucht und Haltung; Hohenstein-Ernstthal