Entwicklung von Kaninchen


Kapitel

Embryonalentwicklung

Entwicklung der Jungtiere

Gewichtsentwicklung



Embryonalentwicklung

Etwa zwei bis drei Tage nach dem Eisprung (Ovulation) ist aus der befruchteten Eizelle Morula, auch Maulbeerkeim genannt, geworden. Es handelt sich um einen kugeligen Zellhaufen aus 8 bis 32 Zellen. Nach drei bis vier Tage wird aus dem Zellhaufen eine Blastozyste. Diese umschließt einen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum, das sogenannte Blastocoel. Auf der Innenseite befindet sich die Embryonalscheibe, welche den neuen Organismus bilden. Der Thophoplast als äußerer Zellring wird eine äußere, schützende Hülle bilden. Die Blastozyste tritt in den Uterus ein und nistet sich am 7 - 8 Tag in die Gebärmutterwand ein. Am siebten Tag tritt ein Primitivstreifen auf, ein Zellwulst womit der Übergang in die Embryonalperiode charakterisiert ist. Mit der Entwicklung der Organanlagen beginnt ab dem ca. 22 Tag die fetale Entwicklungsphase (Schnorr & Kressin 2011).

Die Tragezeit von Kaninchen beträgt etwa 28 - 33 Tage und schwankt je nach Rasse. Die Jungen werden nackt, taub und blind geboren.

Abbildung 1: Entwicklung. 14 Stadien der Entwicklung eines Embryos beim Kaninchen.
Urheber: Unkown, Public domain; Orginaldatei (März 2013)



Entwicklung der Jungtiere

Ab dem dritten Lebenstag treten erste Haarspitzen aus der Haut hervor. Die Augen werden ab dem 10. Lebenstag geöffnet, das Fellkleid ist nun auch voll ausgebildet. Ab dem 17. Lebenstag beginnen die Jungtiere feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Amylase der Bauchspeicheldrüse ist bis zu 24. Lebenstag soweit aktiv dass Stärke gespalten und verdaut werden kann.

Bei Säuglingen sind besonders die Mundbodenmuskeln und die maulöffnenden Muskeln stark ausgeprägt. Mit der 3. - 4. Lebenswoche beginnt sich besonders die maulschließende Muskulatur zu entwickeln, während sich das Wachstum der maulöffnenden Muskulatur verlangsamt. Zwischen der vierten und zwanzigsten Lebenswoche verfünffacht sich die Masse der Kaumuskulatur (Glöckner 2002).

Ab dem 28. Lebenstag beginnt der Schutz der Abwehrstoffe, welche die Jungtiere über die Milch erhalten, nachzulassen. Die Jungtiere müssen ihre eigene Immunabwehr aufbauen. Zusätzlich beginnen die Jungtiere das Nest zu verlassen und die Umgebung zu erkunden. Unter natürlichen Umständen wird die Setzröhre verlassen und in den Familienbau übergesiedelt. Nun nehmen die Jungen erstmals Grünfutter auf. Die Jungtiere können jetzt prinzipiell ohne Mutter Leben. Da die Entwicklung allerdings nicht bei allen Tieren eine Wurfes gleich verläuft sollten die Jungtiere weiterhin bei der Mutter bleiben.

Zwischen den Jungtieren und den übrigen Mitgliedern einer Gruppe bildet sich nun eine rasche Beziehung.

Eine stabile Darmflora bildet sich erst mit der Zeit aus. Die Jungtiere nehmen hierfür den Blinddarmkot älterer, bereits darmstabiler Kaninchen auf. Daher sollten Kaninchen bis zur 12. Lebenswochen mit darmstabilen älteren Tieren in Gemeinschaft leben um eine gesunde und stabile Darmflora entwickeln zu können.

Erwachsene Rammler in einer natürlichen Gruppe reagieren normalerweise stets freundlich gegenüber den Jungtieren solange die jungen Männchen noch kein sexuelles Interesse an den Weibchen zeigen. Mit etwa 10 bis 12 Wochen beginnen die Jungtiere geschlechtsreif zu werden. Lehmann (1991) beobachtete bei männlichen Jungtieren ab der 10 Woche erste sexuelle Aktivitäten und erstes dominantes Verhalten, die ab der 12 Woche an Bedeutung zunahmen. Bei Weibchen wurde ab der 12 Woche dominantes Verhalten beobachtet.

Daher ist es relativ einfach jüngere Kaninchen zu vergesellschaften. Allerdings besteht bei der Vergesellschaftung mit älteren Kaninchen besonders in zu engen Gehegen die Gefahr, dass die Jungtiere nicht ausreichend ausweichen können und schnell verletzt werden, da sie körperlich den erwachsenen Kaninchen unterlegen sind.

Kommen die Jungtiere in die Pubertät kann es auch in vorher verträglichen Gruppen zu Problemen kommen. In freier Natur wandern Teile der Jungtiere, insbesondere die männlichen Kaninchen ab (Farabollini et al. 1991), sobald sie Geschlechtsreif werden. In Gefangenschaft ist ihnen dies nicht möglich. Daher kommt es häufig zu Konflikten ausgehend von den Jungtieren, die dann mitunter heftig von älteren Tieren zurechtgewiesen werden.



Gewichtsentwicklung

Hier einige Beispiele zur Entwicklung des Körpergewichtes. Näheres zum Thema Gewicht hier: Körpergewicht. Bei den Angaben sollte bedacht werden, dass das Gewicht individuell und Umweltbedingt schwanken kann. Diese Werte dienen der Orientierung.

Werte nach Empfehlungen des ZDRK (1) und VKSK (2); Gewichtsangaben in kg.

Rasse 1. Monat 2. Monat 3. Monat 4. Monat 5. Monat 6. Monat 7. Monat 8. Monat 9. Monat
Deutscher Riese (1)
0,70
1,60
2,60
3,60
4,60
5,40
6,00
6,50
7,00
Deutscher Riese (2)
0,94
1,75
2,75
3,70
4,60
5,40
6,30
6,80
-
Weiße Neuseeländer (1)

Normalgewicht = 4,00

0,60
1,40
2,20
3,20
3,70
4,10
-
Weiße Neuseeländer (2)

Normalgewicht = 4,00

0,50
1,02
1,50
2,10
2,75
3,45
3,75
4,00
-
Kleinschecke (2)

Normalgewicht = 3,00

0,45
0,85
1,30
1,75
2,20
2,50
2,80
3,00
3,00
Zwergwidder (1)

Normalgewicht = 1,50

0,20
0,40
0,70
0,90
1,20
1,50
-
Zwergwidder (2)
0,225
0,325
0,475
0,65
0,80
1,05
1,20
1,40
-
Farbenzwerg (1)

Normalgewicht = 1,20

0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
1,20
-
Farbenzwerg (2)

Normalgewicht = 1,10 - 1,35

0,20
0,30
0,45
0,60
0,75
0,90
1,00
1,10
-



Quellen

Boback, Alfred W.; Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus (Linné, 1758); 2., unveränd. Aufl.; Nachdr. der 1. Aufl., Wittenberg Lutherstadt, Ziemsen, 1970; Hohenwarsleben; Westarp-Wiss.-Verl.-Ges.; 2004; (Die neue Brehm-Bücherei; 415); ISBN 3-89432-791-X

Farabollini, F., M.E. Albonetti, and F. Dessi-Fulgheri (1991). Response to intruders in female rabbit colonies is related to sex of intruder and rank of residents. Behavioural Processes 24(2):111-122

Glöckner B. (2002): Untersuchungen zur Ätiologie und Behandlung von Zahn- und Kiefererkrankungen beim Heimtierkaninchen, Dissertation

Lehmann M. (1991): Social behaviour in young domestic rabbits under semi-natural conditions, Institute for Zoology, University of Berne, Abteilung für Sozial-und Nutztierethologie, Ethologische Station Hasli, Wohlenstrasse 50A, CH-3032 Hinterkappelen, Switzerland

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9

Schnorr, Bertram; Kressin, Monika. Embryologie der Haustiere, 2006, ISBN 978-3-8304-1061-4