Domestikation


Domestikation des Hauskaninchens

Das Kaninchen ist eine vergleichsweise junge Haustierart. Die Domestikation des Wildkaninchens begann erst 500 – 300 v. Chr. (Nachtsheim 1977).

Schriften aus dem griechisch-römischen lassen vermuten, dass Kaninchen im östlichen Mittelmeerraum vor dem 4. Jh. v. Chr. nicht bekannt waren. Nach Polybios (um 200 v. Chr) kamen sie auf Korsika vor. 116 - 27 v. Chr. erwähnte Varro die Haltung von Kaninchen in Leporarien. Gehegen, in denen man Hasen und Kaninchen hielt. Bei den Gehegen handelte es sich um von hohen Mauern umgebene Gärten, welche mit Büschen und Bäumen bepflanzt wurden. So hielten Spanier und später auch Römer Kaninchen bereits im ersten Jahrhundert vor Chr. in ummauerten Gehegen, um ihre ständige Verfügbarkeit als Frischfleischlieferanten zu garantieren. Diese Form der Haltung blieb selbst nach dem Ende des Römischen Imperiums erhalten und fand in West- und Mitteleuropa Verbreitung. Aufgrund der Schwierigkeit, die Tiere daran zu hindern, sich aus den Gehegen zu graben, wurden teilweise kleine Inseln wie die Insel im Schweriner See ("Kaninchenwerder") als Unterbringungsmöglichkeit verwendet.

Eine aktive Zuchtauswahl fand hierbei allerdings noch nicht statt (Nachtsheim 1977). Dennoch weist Nachtsheim darauf hin, dass sich aus der Gehegehaltung eine "primitive Zucht" ergeben haben muss und diese Haltung somit der erste Schritt zur Domestikation gelten kann.

Die erste zahmen Kaninchen wurden in den südfranzösischen Klöstern des frühen Mittelalters gezüchtet. Die ungebornen Jungen des Kaninchens galten als erlaubte Fastenspeise, weshalb die trächtigen Häsinnen in den abgeschlossenen Höfen ohne Möglichkeiten zu unterirdischen Lebensweise gehalten wurden. Dadurch wurde eine Kontrolle der Fortpflanzung möglich.

Abbildung 1: Domestizierte Kaninchen. Ein Gemälde um 1470 mit Kaninchen unterschiedlicher Fellfarben .
Urheber: Fresco; Quelle (August 2012)

1149 kamen die ersten Kaninchen aus Frankreich nach Deutschland. Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Kaninchenhaltung auch in Deutschland häufiger. Ab dem 16 Jahrhundert ist bekannt, dass in verschiedenen Farbvariationen wie schwarzen, weißen und gescheckten Tieren gezüchtet wurde. Auch die Größe der Kaninchen, sowie die Bedeutung in der Fleischgewinnung nahm im 16.Jahrhundert allmählich zu (Nachtsheim 1977, Benecke 1994).

Ab späteren Mittelalter war das Kaninchen auch außerhalb Europas verbreitet und verwilderte häufig. So wurden verwilderte Hauskaninchen auf der Insel Porto-Santo schnell zur Plage. Mit einem Lebendgewicht von etwa 500g ist das Porto-Santo-Kaninchen die kleinste Kaninchenrasse.

Bis ins 19. Jahrhundert war die Gehegehaltung von Kaninchen verbreitet. Ende des 19 Jahrhunderts wurden Rassezuchtvereine in Frankreich und Deutschland gegründet. Kaninchen wurden immer häufiger in Hinterhöfen oder Schrebergärten zur Ernährung gehalten. Während der beiden Weltkriege wurden Kaninchen gerne freilaufend zwischen anderem Vieh gehalten, was ihnen auch den Namen "Kuhhasen" einbrachte.

Abbildung 2: Kaninchenhaltung 1879
Abbildung 3: Kaninchenhaltung und Ernährung 1842.
Urheber: Antoni Kozakiewicz ; Quelle (August 2012) Urheber: H. Baert; Quelle (August 2012)



Quellen

Benecke, N.; Der Mensch und seine Haustiere : Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung; Stuttgart, Konrad Theiss Verl., 1994; ISBN 3-88059-995-5

Nachtsheim; In: Nachtsheim, H. u. H. Stengel (1977): Vom Wildtier zum Haustier. 3. Aufl. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg

Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9