Haltungsformen


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kaninchen unterzubringen. Einige sind für Kaninchen und Halter besser geeignet. Auf die Vor- und Nachteile verschiedener Haltungsformen soll hier eingegangen werden.


Kapitel

Innen- vs. Außenhaltung

Übersicht über übliche Haltungsformen



Innen- vs. Außenhaltung

Durch die vermehrte Haltung von Hauskaninchen als Heimtiere werden auch immer mehr Kaninchen in der Wohnung gehalten. Diese Form der Haltung ist für Kaninchen nicht ganz unproblematisch.

Kaninchen in Innenhaltung sind viel mehr unnatürlichen, dafür aber insgesamt viel weniger Reizen ausgesetzt. Gerüche, Temperatur, Wetter, Geräusche etc. spielen für Kaninchen eine wichtige Rolle. Kaninchen werden gefordert und gefördert, wenn sie solchen Reizen ausgesetzt werden. Kaninchen in Innenhalten leiden häufig unter Reizarmut. Sie müssen daher vom Halter zusätzlich ausreichend beschäftigt werden.

Insbesondere die Wirkung von Geräuschen kann in einem geschlossenen Raum für Kaninchen sehr unangenehm und daher ein Stressfaktor sein.

Wenn ein entsprechendes Gehege geboten wird, können die Kaninchen in Außenhaltung ihr Verhalten (auch beeinflusst durch obiges) vielfältiger ausleben. Da das Ziel einer tiergerechten Haltung ist, das Ausleben des natürlichen Verhaltens zu fördern und zu fordern, ist die Außenhaltung wesentlich geeigneter.

Jahreszeiten spielen im Leben eines Kaninchens eine entscheidende Rolle. Mit den verschiedenen Jahreszeiten sind die Kaninchen unterschiedliche Temperaturen und Lichteinflüsse ausgesetzt. In Innenhaltung sind diese Einflüsse sehr eingeschränkt. Dies spielt für das Verhalten und den Zyklus der Kaninchen eine entscheidende Rolle. Gerade weibliche Kaninchen werden in mehr oder weniger regelmäßigen (je nach Weibchen) Abständen hitzig, also paarungsbereit. Das ist sehr stressig für das Weibchen, die Gruppe und oft auch den Menschen. Im Winter setzt diese Hitze natürlicherweise bei den meisten in Außenhaltung lebenden Weibchen aus. Selten aber in Innenhaltung.

Zusätzlich kann ein konstantes Klima den Stoffwechsel des Kaninchens durcheinanderbringen. Kaninchen lagern über den Winter Unterhautfett ein, welches sie bis zum Frühjahr wieder verloren haben. Bei Wohnungskaninchen ist dies häufig nicht der Fall.

Kaninchen in Außenhaltung werden in der Regel mit mehr Erregern konfrontiert, inklusive der vielfältigeren Umwelteinflüsse entwickeln sie ein effektiveres Immunsystem. Sie können sich Krankheiten meistens besser erwehren als Tiere in Innenhaltung.

Vor allem im Winter kann zudem Heizungsluft schaden, wenn sie sehr trocken ist. Insbesondere die Haut und Atemwege können Schaden nehmen. Generell vertragen Kaninchen Kälte besser als Hitze.

©Alexandra Stoffers - flickr.com ©Alexandra Stoffers - flickr.com

Ein erhöhtes Gefahrenpotential gibt es für Kaninchen im Außenbereich. Zwar lassen sich Raubtiere durch ein sicheres, stabileres Gehege außer Reichweite halten, nicht aber der Mensch. Außengehege sind meistens leichter zu erreichen als Innengehege.

Besteht die Möglichkeit, ein sicheres, „kaninchengerechtes“ Gehege zu bauen ist Außenhaltung immer zu empfehlen.


Vor- und Nachteile der Außen- und Innenhaltung im Überblick (ausgehend von geeigneten Gehegen)

Vorteile Innenhaltung Vorteile Außenhaltung
  • Tiere sind eher im Blick
  • Hygienemaßnahmen oft besser umzusetzten
  • Mehr natürliche Reize
  • Entspricht mehr den Bedürfnissen eines Kaninchens
  • Eine artgerechte Haltung ist einfacher umzusetzten
  • Besseres Immunsystem
Nachteile Innenhaltung Nachteile Außenhaltung
  • Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Staub etc. beeinflussen das Wohlbefinden der Kaninchen negativ
  • Reizarmut, Reize oft unnatürlich
  • Häufig ungeeigneter Bodengrund, verhindert ausreichende artgemäße Bewegung
  • Häufig höhere Lärmbelastung
  • Verschmutzung/Beschädigung der Wohnung möglich
  • Höheres Risiko durch Räuber, insbesondere den Menschen
  • Tiere müssen bei jedem Wetter täglich versorgt werden
  • Bei entsprechendem Bodengrund höhere Keimbelastung



Übersicht über übliche Haltungsformen

Viele Haltungsformen sind mehr auf den Halter als auf die Bedürfnisse der Kaninchen ausgerichtet. Es sollte aber beides berücksichtigt werden. Für den Halter sollte die Reinigung und die Pflege der Tiere ohne größere Umstände ermöglicht werden und den Tieren sollte das Gehege das Ausleben ihres natürlichen Verhaltens ausreichend ermöglichen.


Buchtenhaltung

Üblich ist vor allem bei Züchter die Haltung in Buchten, kleinen Ställen aus Holz oder Mauerwerk. Diese können im Innen- und Außenbereich stehen. Die Kaninchen werden darin in den meisten Fällen einzeln gehalten. Die Größe der Buchten kann variieren. Die Vorteile einer solchen Haltung ist eine einfache Handhabung und Reinigung, die Stallanlage ist dadurch sehr zeitsparend. Durch mehretagige Haltung können viele Tiere auf engem Raum untergebracht werden.

Nachteile gibt es insbesondere für die Kaninchen. Durch den Platzmangel gibt es in der Regel wenig Möglichkeiten zur artgemäßen Bewegung, die Boxen sind eher schlecht ausreichend zu strukturieren. Durch den engem Raum gibt es für mehere Tiere meistens zu wenig Rückzugsmöglichkeiten, daraus folgt oft Einzelhaltung. Insbesondere während der warmen Sommermonate können in Buchten vermehrt hygienische Probleme auftreten. Vor allem in Holzbuchten können sich leicht Erreger einnisten. Saugt das Holz auch noch Feuchtigkeit, kann dies schnell zum gesundheitlichen Problem für die Tiere werden.


Handelsübliche Käfige

Im Zoohandel gibt es zahlreiche verschiedene Käfige für Kaninchen zu erwerben. Die Größe, Form und Gestaltung kann variieren. Die Käfige sind daher einfach erhältlich und oft recht günstig. Durch ihre geringe Größe sind sie platzsparend, zudem sind sie sehr leicht zu reinigen und zu desinfizieren.

Nachteile sind die mangelhafte Größe, die den Tieren wenig Möglichkeiten zur Bewegung lassen. Für mehrere Tiere mangelt es häufig an Rückzugsmöglichkeiten, die geringe Breite ermöglicht kaum ein Einhalten von Individualdistanzen. Bei Gitterkäfigen kann es durch die Stäbe zu Verletzungen kommen.


Innengehege/Kaninchenzimmer

Immer häufiger werden Kaninchen in großen Gehegen im Innenbereich oder eigenen Zimmern gehalten. In solchen Gehegen ist eine individuelle Gestaltung und ausreichende Strukturierung möglich. Durch die Gestaltung können ausreichend Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden, was das Konfliktpotential mindert.

Je nach Gehege kann die Reinigung allerdings aufwändig werden. Der Halter muss in seiner Wohnung ausreichend Platz zur Verfügung stellen. In Räumen können die Kaninchen, sofern keine ausreichende Absicherung vorhanden ist, Tapeten, Möbel etc. schädigen.


Freilaufhaltung in der Wohnung

Ebenfalls praktiziert wird von einigen Kaninchenhaltern eine freie Haltung in der Wohnng. Kleine Schalen dienen als Toilette, viele Kaninchen (aber nicht alle!) werden stubenrein. Die freie Haltung in der Wohnung ermöglicht viel Bewegung, bei entsprechender Gestaltung viel Freiraum und Anreize. Nötig ist allerdings eine kaninchensichere Wohnung, mit Schäden durch die Kaninchen an Möbeln, Teppichen, Wänden etc. muss gerechnet werden.


Gehgehaltung im Außenbereich

Gehege im Außenbereich sind besonders unter Liebhaberhaltern weit verbreitet. Die Gehege können unterschiedlicher Größe und Form sein.

Im Zoofachhandel finden sich Außenställe mit Gehegen. Diese sind allerdings häufig sehr klein und schlecht strukturiert, lassen sich schlecht reinigen und sind durch mangelnde Qualität nicht sicher. Sie können dann zu lebensgefährlichen Fallen werden. Zudem sind diese Gehege oft unverhältnismäßig teuer.

Außengehege können komplett gesichert werden. Besonders bei kleineren Gehegen unter 50 m² und Gehegen ohne ausreichend Fluchtmöglichkeiten ist eine Sicherung von allen Seiten (auch oben und unten) dringend zu empfehlen. Andernfalls sind die Kaninchen Raubtieren ausgeliefert und die Gehege werden zu tödlichen Fallen.


Freilaufhaltung im Garten

Die Kaninchen werden bei dieser Haltungsform ohne Gehege oder mit freiem Zugang zu Gehege gehalten. Diese Haltung bietet den Kaninchen viele Möglichkeiten, natürliches Verhalten auszuleben, bietet viel Freiraum, Bewegung und Beschäftigung. Allerdings besteht ein erhöhtes Risiko durch Raubtiere.

©Alexandra Stoffers - flickr.com ©Alexandra Stoffers - flickr.com

In der Regel werden die Kaninchen bei dieser Haltungsform über Nacht in sicheren Gehegen/Ställen untergebracht.

Hauptartikel: Freilaufhaltung