Verdauungstrakt



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Allgemeines

Erkrankungen des Verdauungstraktes

Hilfe bei Verdauungsbeschwerden


Allgemeines

Allgemeine Informationen zum Verdauungstrakt

Kaninchen sind Pflanzenfresser. Eine Besonderheit sind ihre nachwachsenden Zähne und ein relativ großer Magen sowie ein geräumiger Blinddarm, wodurch das Kaninchen über zwei große Speicher verfügt (Wiesemüller 1993). Der Darmtrakt ist von zahlreichen verschiedenen Mikroorganismen bevölkert, welche eine entscheidende Rolle bei der Verwertung der aufgenommenen Nahrung spielen.

Über das Maul gelangt die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen. Anschließend gelangt sie über den Dünndarm in den Dickdarm. Unverdaute Bestandteile werden über den After als Kot ausgeschieden. Am Anfang des Dickdarms befindet sich der Blinddarm, er blind endende Anfangsteil des Dickdarms. Dort findet ein Fermentationsvorgang statt, wobei mit Hilfe von Mikroorganismen kleine Teile der Nahrung (nicht größer als 0,3 – 0,5 mm) verwertet werden.

Hauptartikel: Anatomie Verdauungstrakt


Abbildung 1: Verdauungssystem des Kaninchens in der Übersicht. 1 = Maul; 2 = Speiseröhre; 3 = Leber; 4 = Magen (pH = 1,5 - 2,0); 5 = Dünndarm (pH = 7,2); 6 = Blinddarm (pH = 6,0), 7 = Dickdarm (pH = 6,0); 8 = After


Der Verdauungstrakt eines Kaninchens ist empfindlich. Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes kommen bei Kaninchen relativ häufig vor (Rheker 2001) und viele Krankheiten finden ihren Ursprung in Problemen, die mit dem Verdauungssystem zusammenhängen.

Aufgrund der großen Oberfläche der Darmschleimhaut verfügt diese über ca. 80 % aller Zellen, die Antikörper produzieren. Damit spielt der Darm eine der wichtige Rolle für das Immunsystem.


Häufige Gründe für Verdauungsstörungen sind Zahnerkrankungen oder Fütterungsfehler. Möglich sind bakterielle Infektionen, Viren und verschiedene Parasiten.


Einfluss des Futters

Die Struktur und chemische Zusammensetzung des Futters spielt eine entscheidende Rolle für den Verdauungstrakt.


Beschaffenheit

Die natürliche Nahrung der Kaninchen ist reich an Struktur und Fasern. Die Verdauung ist allerdings nicht drauf ausgelegt Cellulose mit höchster Effizienz zu verwerten, sondern aus der faserreichen Nahrung die leichter verdaulichen Stoffe zu extrahieren (Hörnicke 1984). Hierbei wird die Nahrung am Blinddarm getrennt, gröbere Partikel (300 μm und größer) werden relativ schnell in das Kolon weitertransportiert. Kleinere Partikel und Flüssigkeit werden hingegen längere Zeit im Blinddarm zurückgehalten (Björnhag 1972).

Dadurch spielt die strukturelle Beschaffenheit des Futters eine wesentliche Rolle. Eine feine Vermahlung des Futters verlangsamt die Magen-Darm-Passage und zieht eine längere Verweildauer im Blinddarm nach sich (Laplace und Lebas 1977).

Eine längere Verweildauer des Futters im Darm zieht zwar eine höhere Verdaulichkeit nach sich, aber auch funktionelle Störungen der Verdauung und das Risiko zu Durchfällen (Proto 1968, Laplace und Lebas 1977).

Ein hoher Volumengehalt fördert eine schnelle Darmpassage. So wird der Struktureffekt bei der Verabreichung von Rauhfutter bei Grünfütterung noch durch die kürzere Passagezeit infolge des, durch den hohen Wassergehalt bedingten, größeren Futtervolumens verstärkt (Panalis et al. 1985).


Zusammensetzung

Auch die Zusammensetzung des Futters beeinflusst die Verdauung erheblich. Die Magen-Darm-Passage wird durch die Fütterung hochverdaulicher Nahrung beeinträchtigt.

Der Anteil an Rohfaser und Stärke im Futter beeinflusst die Produktion von Fettsäuren der Blinddarmgesellschaft. Dominierend im Blinddarm sind Essig-, Propion- und Buttersäure (Parker und Mcmillan 1976). Dabei hat die Buttersäure eine hemmende Wirkung auf die physiologische Peristaltik des Blinddarms wodurch Risiko einer Entzündung steigt. An zu geringer Anteil (< 6,1 %) an Rohfaser in pelletiertem Futter (Susmel und Lanari 1977) oder eine zu stärkereiche Ration (Herrmann 1989) führt zu einem Anstieg der Buttersäure im Darm.

Aber auch eine Ration bestehend aus viel Faser und wenig Stärke kann sich negativ auf die Darmgesundheit auswirken. Ein reiches Angebot an fermentierbaren Kohlenhydraten sorgt dafür, dass der pH-Wert im Caecum absinkt, wodurch Clostridien sich nicht vermehren können. Ein hoher Anteil an unverdaulicher Faser und wenig Stärke bedingt einen steigenden pH-Wert und durch den Rückgang der N-fixierenden Bakterien einen Anstieg des Gehalts an Ammoniak (Wenger 1997).

Ein hoher Gehalt an Stärke in pelletierten Futtermitteln beeinflusst Reduzierung der Anzahl gramnegativer Bakterien im Blinddarm (Hermann 1989).

Auch der Anteil an Proteinen ist entscheidend. Kaninchen sind in der Lage auch mit schlechteren Proteinqualitäten zurechtzukommen (Lang 1981). Durch mikrobiellen Proteinsynthese im Blinddarm und Bildung von Aminosäuren in der Blinddarmwand (Marty und Raynaud 1963) können Kaninchen mit Proteinen versorgt werden. Bei einem Mangel werden im Blut vorhandene Harnstoff in den Blinddarm sezerniert und dort zu Ammoniak und Kohlendioxid abgebaut (Fekete 1991). Das Ammoniak wird anschließen von den Bakterien verwertet, um mikrobiell Protein zu bilden (Robinson et al. 1986).

Nährstoffe enthalten ihre biologische Wirkung im Körper immer im Zusammenspiel mit und in Abhängigkeit von anderen Nährstoffen (Schmidt). Daher spielt nicht nur einzelne Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle, sondern die Gesamtzusammensetzung.


Fazit

Die Zusammensetzung des Futters und seine Beschaffenheit beeinflussen die Passagezeit des Futters, die Darmflora und die Entstehung verschiedener Stoffe im Darmtrakt. Dabei hängen die verschiedenen Faktoren miteinander zusammen und können nicht einzeln betrachtet werden.

Die Wahl des richtigen Futtermittels trägt somit wesentlich zur Gesunderhaltung und Gesundung eines Tieres bei.


Kot und Ernährung

Der Kot sind unverdauliche Bestandteile des Futters, welche über den After wieder ausgeschieden werden. Auf falsches oder verunreinigtes Futter reagiert der Körper mit Durchfall, um die Schadstoffe oder Erreger schnell aus dem Organismus zu befördern. Unterschieden wird zwischen dem normalen Kot, dem Hartkot und dem Weichkot, der aus dem Blinddarm stammt. Je nach Futteraufnahme kann die Beschaffenheit des Kots variieren.

Abbildung 2: Köttel eines Wildkaninchens. Der Kot eines Wildkaninchens ist klein bis mittelgroß, meistens recht dunkel, und weich. Der Kot eines gut ernährten Hauskaninchens sollte ebenso aussehen.
Abbildung 3: Kleine Köttel (links), Normalkot (rechts). Kleiner, tropfenförmiger, kantiger Kot ist oft ein Hinweis auf Verstopfungen oder eine zu trockene Ernährung. Die Kotkugeln sind sehr hart und eckig. Kleiner Kot kommt auch dann vor, wenn die Kaninchen trockene, gut verdauliche Nahrung zu sich nehmen. eine Überprüfung der Ernährung ist anzuraten, ein Tierarztbesuch kann gegebenenfalls sinnvoll sein.
Abbildung 4: Köttelkette eines Hauskaninchens. Nimmt ein Kaninchen beim putzen viel Haare auf, weil es z.B. im Fellwechsel ist, können dadurch Köttelketten entstehen. Die nicht verdauten Haare lassen die Kotkugeln zusammenhängen. Es kann passieren, dass diese Haare nicht ausgeschieden werden und zu Verstopfungen führen. Daher ist es wichtig, die Kaninchen zu beobachten und gegebenenfalls zu reagieren.
Abbildung 5: Durchfall. Durchfall kann durch viele verschiedene Faktoren bedingt sein. Anzeichen könnnen z.B. sein: kotverklebte/nasse Anogenitalregion, Störung des Allgemeinbefindens, aufgetriebenes schmerzhaftes Abdomen. Der Kot ist wässrig und meistens sehr hell. Es sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.


Im Blinddarm entsteht eine Masse aus hochwertigen Proteinen der Bakterien, Fettsäuren und Vitaminen, welche durch Kontraktionen zu Kugeln geformt und mit einer Schleimschicht überzogen wird. Diese Masse wird als Blinddarmkot ausgeschieden und vom Kaninchen wieder aufgenommen.


Abbildung 6: Blinddarmkot eines Hauskanininchens. Der Blinddarmkot stammt wie der Name schon vermuten lässt aus dem Blinddarm. Normalerweise wird er von Kaninchen direkt wieder aufgenommen. Es handelt sich um kleine, dunkle, weiche und traubenförmig aneinander gelagerte Kotkugeln, welche mis einer muskösen Schicht überzogen sind, welche nach der Aufnahme vor der Magensäure schützt.
Abbildung 7: Blinddarmkot - Abwandlung. Blinddarmkot kann in verschiedener Form auftreten. Diese Form des abgebildeten Blinddarmkotes tritt nach eigener Beobachtung vor allem bei der Anfütterung von Zwiebelgewächsen auf.


Infobox - Externe Links zu Beiträgen/Berichten
Normal and abnormal fecal and cecal feces of rabbits medirabbit.com



Erkrankungen des Verdauungstraktes

Allgemeines

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes kommen bei Kaninchen relativ häufig vor (Rheker 2001). Symptome können beispielsweise Durchfall, Blähungen, Inappetenz, apatisches Verhalten, Abmagerung aber auch Fell- oder Hautprobleme sein. Ursachen für Probleme mit dem Verdauungstrakt können neben Fütterungsfehlern, Zahnerkrankungen, aufgenommenen Fremdkörpern oder Giftpflanzen auch Erreger wie Bakterien, Viren oder andere Parasiten sein. Oft handelt es sich um multifaktorielle Erkrankungen, die Probleme ergeben sich durch mehrere Faktoren.


Wichtigste Ursachen für Durchfall nach Ewringmann (2005):

  • Zahnerkrankungen
  • Fütterungsfehler
  • Erkrankungen durch Baktieren, Viren, Parasiten oder Pilze
  • Erkrankungen anderer Organsysteme
  • Antibiotikaintoxikation
  • Vergiftung


Einzelne Erkrankungen in genauerer Betrachtung

Darmmykose

Die Darmmykose wird durch Saccharomyces guttulatus hervorgerufen. Diese Hefepilze zählen zur normalen Blinddarmflora des Kaninchens (Cheeke 1987). Bei einer Veränderung des Darmmilieus kann es jedoch zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen. Ein vermehrtes Vorkommen von Hefen ist nie eine Primärerkrankung (Ewringmann 2005). Meistens ist zunächst vor allem der Blinddarm betroffen und daher der normale Kot häufig normal geformt, während der Blinddarmkot einen säuerlichen Geruch aufweist und eine matschige Konsistenz hat. Ursachen können Zahnerkrankungen, Fütterungsfehler oder Parasitosen sein (Ewringmann 2005).

Ein Nachweis erfolgt im Nativpräperat bei 100 - 400facher Vergrößerung (Ewringmann 2005).

Eine Behandlung erfolgt mit Nystatin. Allerdings ist das Medikament umstritten. Unerlässlich ist eine Behebung der Ursache des Problems.


Infobox - Externe Links zu Beiträgen/Berichten
Ernährung bei Hefenbefall degupedia.de
"Hefenbehandlung" ohne Nystatin tierpla.net
Welches Medikament ist am besten gegen Hefepilze? tierpla.net


Kokzidiose

Kokzidiose wird durch Einzeller, die sogenannten Kokzidien - Eimeria sp. ausgelöst. Beschrieben wurden über 25 Kokzidienarten beim Kaninchen. Allerdings sind nur 11 davon charakterisiert. Eimeria coecicola, E. exigua, E. flavescens, E. intestinalis, E. irresidua, E. magna, E. media, E. perforans, E. piriformis und E. vejdovskyi als Erreger von Darmkokzidiosen sowie E. stiedai als Erreger der Gallengangskokzidiose. Zudem wurden im Darminhalt von Wildkaninchen Oozysten E. roobroucki gefunden (Kühn 2003).

Kokzidien sind streng wirts-, gewebe- und organspezifisch und daher sind die Kokzidien der Kaninchen für den Menschen kein Risiko (van Praag 2013).

Die Oocysten des Parasiten werden oral aufgenommen. Im Darm werden die Sporozoiten frei und dringen in die Darmepithelzellen ein. Dort werden sie in eine sogenannte parasitophore Vakuole eingeschlossen und beginnen mit der Nahrungsaufnahme. Nachdem sie eine gewisse Größe erreicht haben werden sie zu Schizonten (1.Generation) und bilden Tochterzellen, die sogenannten Merozoiten. Diese lösen sich und können aktiv in andere Wirtszellen eindringen, um sich wieder zu Schizonten (2.Generation) zu entwickeln. Ein Merozoit kann sich zu einem Mirko- (männlich) oder Markogamont (weiblich) differenzieren. Nach der Befruchtung bildet sich die Zygote, welche als unsporulierte Oocyste über den Kot ins freie gelangt und dort sporuliert, worduch 4 Sporocyten mit je zwei Sporozoiten entstehen, welche bei erneuter oraler Aufnahme wieder freigesetzt werden (Mehlhorn 2002). Der Lebenszyklus dauert 4 - 14 Tage (van Praag 2013).

Abbildung 8: Schematische Darstellung des Entwicklungszyklus von Eimeria sp. im Darm. 1) Die mit dem Kot abgesetzte unsporulierte Cyte sporuliert im Freien, es kommt zur Bildung von 4 Sporocysten mit je 2 Sporozoiten (2-3). Die Oocysten wird oral aufgenommen, wodurch die Sporozoiten freigesetzt werden. Diese bilden bewegliche Merozoiten in den Darmzellen (5-6), welche sich zu Gamonten umwandeln (7-8). Nach der Befruchtung des weiblichen Markogamonten durch männliche Mikrogamonten bildet sich die Zygote (9). Diese wird durch die Verschmelzung der Hüllbildungskörper zur unsporolierten Oocyste und mit dem Kot wieder abgesetzt.


Durch den Befall mit Kokzidien nimmt die Darmschleimhaut Schaden. Die Zellen werden zerstört, der Verlust kann nicht ausgeglichen werden. Es kommt die Schwellungen und die Darmzotten verkürzen sich, wodurch die Aufnahme von Nährstoffen behindert wird (Kühn 2003). Bei einer Infektion geht nach 8 - 10 Tagen die Futter- und Wasseraufnahme des Kaninchens um bis zu 90 % zurück, zwischen dem 3 und dem 18 Tag kommt es zu einer weicheren Kotkonsistenz. Die Kotmenge geht um bis zu einem Drittel zurück, aufgezogene Hautfalten bleiben bestehen. Durch die Resorptionsstörungen kommt es zu einer Elektrolytverschiebungen im Blut (Kühn 2003). Bakterielle Sekundärinfektionen führen vor allem bei Jungtieren nicht selten zum Tod (Ewringmann 2005).Wenn keine bakteriellen Komplikationen hinzutreten, erholen sich Kaninchen vom Ende der zweiten Woche an, unabhängig von der Kokzidienspezies (Kühn 2003).

Übersteht ein Kaninchen eine Infektion kommt es zu einer starken Immunität. Diese äußert sich in einer verminderten Anzahl Parasiten, die ihren Lebenszyklus vollenden und ausgeschieden werden bis hin zu vollständiger Unterdrückung der Vermehrung. Allerdings ist die Immunität gegen Kokzidien streng artspezifisch. Durch überstandene Infektion mit einer Art erworbene Immunität schützt nicht vor Infektionen mit anderen Arten. Es kann sogar nur zu einer Immunistät gegen bestimmte Stämme einer Spezis kommen (Kühn 2003).

Die Fähigkeit von Kokzidien des Kaninchens sich zu vermehren ist abhängig von Kokzidienart und Wirtstier. Die Kokzidien des Kaninchens lassen sich in hochgradig, mäßig und gering pathogene sowie apathogene Spezies gliedern. Wie pathogen eine Art ist zeigt sich in der Sterblichkeit der Wirtstiere, klinischen Durchfällen und Wachstumsdepression. Die Pathogenität steht im umgekehrtem Verhältnis zu den Infektionsdosen, die bei empfänglichen Tieren Erkrankungen auslösen können. Hochpathogen sind Eimeria intestinalis und E. flavescens, nur mit diesen treten regelmäßig Todesfälle auf (Kühn 2003).


Tabelle 1: Pathogenität der Arten. Nach Kühn 2003

Pathogenität Art Präpatenz (Tage)*
hochpathogen E. intestinalis 8,5-9
E. flavescens 9
mäßig pathogen E. irresidua 9
E. magna 7
E. media 4,5
E. piriformis 9
gering pathogen E. exigua 7
E. perforans 5
E. vejdovskyi 10
apathogen E. coecicola 9
E. stiedai 14

*im Hartkot. Im Blinddarmkot 12 - 24 Stunden früher.


In den meisten Mastkaninchenhaltungen sind drei und mehr verschiedene Kokzidienspezies anzutreffen. Eimeria magna, E. media und E. perforans sind am häufigsten anzutreffen. In traditionellen Kaninchenhaltungen sind vor allem E. intestinalis und E. flavescens anzutreffen. Die Haltungsform beeinflusst daher das Vorkommen der verschiedenen Kokzidienspezies. In Versuchstierhaltung sind schätzungsweise 70 % aller Kaninchen von Kokzidien befallen (Kühn 2003). Nach Bhat et al. (1996) sind in Europa 21 - 60 % aller Kaninchen Träger des Parasiten.

Um die Aufnahme infektionsfähiger Formen zu unterbinden ist es sinnvoll diese durch Desinfektionsmaßnahmen abzutöten. Allerdings sind Kokzidienoozysten äußert unempfindlich gegenüber Chemikalien. Der Einsatz ungeeigneter Desinfektionsmittel kann den Infektionsdruck durch Kokzidien sogar steigern, wenn diese nach Abtötung sauerstoffzehrender Bakterien besser sporulieren können. Gegenüber physikalischen Einflüssen wie erhöhten Temperaturen, Trockenheit oder kurzwelliger Strahlung sind die Oocysten etwas empfindlicher. Bei Temperaturen über 55 °C denaturieren Oozysten in wenigen Minuten, die erforderliche Einwirkungsdauer verkürzt sich bei trockener Wärme deutlich. Eine Abtötung erfolgt bis zu einer unteren Grenze von 40 °C. Allerdings ist bei dieser Temperatur ist eine Einwirkungszeit von mindestens 24 Stunden erforderlich (Kühn 2003).

Ein Nachweis erfolgt meist mittels Nativausstrichen. Im Zweifelsfall kann eine parastiologische Untersuchung (Flotationsverfahren) angeschlossen werden. Kokziden werden nicht ständig ausgeschieden, weshalb eine Sammelkotprobe sinnvoll ist (Ewringmann 2005).

Symtome einer Darmkokzidiose sind bei Jungtieren pralles Abdomen (auch ohne weitere Symtome möglich), Durchfälle, Aufgasungen, Wachstumsstörungen und zunehmende Apathie. Bei Leberkokzidiose sind of keine klinischen Symtome zu beobachten, es fällt nur eine verwinderte Gewichtszunahme auf. Bei Massenbefall leidet die Leberfunktion, es kommt zu Fressunlust, Abmagerung und Obstipartion. Die Leberkokzidiose ist bei älteren Kaninchen oft ausgeprägter als bei Jungtieren (Ewringmann 2005). Nur eine Behandlung innerhalb von 5 - 6 Tagen führt zum Erfolg. Viele Tiere bleiben ansonsten Träger (van Praag 2013).

Erkrankungen kommen vor allem bei Jungtieren vor, erwachsene Kaninchen sind hauptsächlich Träger (Bhat et al. 1996). Falsche Ernährung (vor allem mit Pelletfutter) erhöhen das Risiko einer Erkrankung (Kühn 2003). Stress, beispielsweise durch Transport und Vergesellschaftung, kann das Risiko eines Ausbruchs ebenfalls erhöhen (Ewringmann 2005).

Zur Behandlung wird Toltrazuril (Baycox) empfohlen. Gegenüber Sulfonamidpräperaten gibt es inzwischen weitreichende Resistenzen. Gegenenfalls ist die Gabe eines Antibiotikums bei Sekundärinfektionen nötig (Ewringmann 2005). Nach einer Behandlung zeigen die Tiere noch ein paar Tage klinische Symptome wie Durchfall.



Hilfe bei Verdauungsbeschwerden

Bei ernsthaften Problemen ist immer ein Tierarzt aufzusuchen. Da Verdauungsbeschwerden unterschiedliche Ursachen haben können, ist eine zusätzliche Unterstützung immer mit dem behandelnden Tierarzt abzusprechen.


Weitere Informationen zum Einsatz verschiedener Pflanzen/Pflanzenteile bei Erkrankungen: Artikel Heilpflanzen


Blähungen

Blähungen beruhen häufig auf einer falschen Ernährung. Daher sollte die Ernährung des Kaninchens überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Die Fütterung sollte möglichst gleichmäßig erfolgen.

An Kräutern können Basilikum, Brennessel, Majoran, Oregano, Thymian, Dill, Lavendel, Melisse, Petersilie, Pfefferminze, Schnittlauch, Wermut, Liebstöckel und andere verträgliche Kräuter gefüttert werden. Zusätzlich können Dill-, Fenchel-, Anissamen und Kümmel angeboten werden.


Durchfall

Eine Heu- und Wasserdiät bei Durchfall ist nicht zu empfehlen. Diese wird den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht. Ziel ist es, die Darmflora zu stabilisieren, die Darmschleimhaut zu regenerieren und angesammelte mikrobielle Stoffwechselprodukte abzubauen.

Unterstützende Fütterungsmaßnahmen bei Diarrhoe nach Ewringmann (2005):

  • hochwertiges Heu: Rohfaser wichtig zur Unterstützung physiologischer Fermentationsvorgänge
  • bei akut wässrigem Durchfall aufgeschlossenes Getreide: Energielieferant
  • Möhren und Gemüse: Reich an Zellulose und Pektinen. Liefern leicht, aber langsam fermentierbare Kohlenhydrate. Dadurch ausreichende Energieversorgung der Schleimhaut
  • Bananen: Schleimhautschutz
  • Strukturiertes Grünfutter (z.B. Möhrengrün und Kräuter)
  • Haferkleie: Binden laxierend wirkende Gallensäuren

Kaninchen mit Durchfallerkrankungen müssen täglich genau untersucht werden. Es besteht Gefahr durch Befall mit Fliegenmaden.

An Kräutern sind besonders Magen-Darm-Kräuter/Pflanzen wie Oregano, Majoran, Thymian und Basilikum geeignet. Auch Löwenzahn, Gänsefingerkraut, echte Kamille, Brombeerblätter und Pfefferminze können angeboten werden.

Zusätzlich zum Wasser (nicht anstatt) kann zudem ein Tee aus geeigneten Magen-Darm-Kräutern angeboten werden.



Quellen

Bhat TK, Jithendran KP, Kurade NP (1996): Rabbit coccidiosis and its control: A Review. World Rabbit Sci., 4: 37-41.

Björnhag, G. (1972): Separation and delay of contents in the rabbit colon Swed. J. Agri. Res. 2, 125 – 136

Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

Fekete, S. (1991): Neuere Erkenntnisse über die Verdauungsphysiologie des Kaninchens, Übers. Tierern. 19, 1 - 22

Herrmann, A. (1989): Untersuchungen über die Zusammensetzung des Chymus im Magen-Darm-Kanal von Jungkaninchen in Abhängigkeit vom Rohfaser- und Stärkegehalt des Futters, Hannover, Tierärztl. Hochschule, Diss.

Hörnicke, H. (1984): Neuere Ergebnisse zur Physiologie des Dickdarms bei Kaninchen I. Morphologie, Passagezeiten, Mikrobiologie, Wasser und Elektrolyte Übers. Tierern. 12, 215 – 250

Kühn, T. (2003): Kokzidien des Kaninchens (Oryctolagus cuniculus). Verlauf natürlicher Infektionen bei Boden- und Käfighaltung in einer Versuchstiereinheit. Univ. Leipzig. Diss.

Lang, J. (1981): The nutrition of the commercial rabbit, Part 1: Physiology, digestibility and nutrient requirements, Nutrition Abstracts and Reviews - Series B Vol. 51, No. 4, 197 - 225, Ministry of Agriculture, Fisheries and Wood, Wolverhampton, England

Laplace, J.P. and Lebas, F. (1977): Digestive transit in the rabbit, 7. Effects of grinding fineness of the feed ingredients before pelleting, Ann. Zootech. 26, 413 - 420

Marty, J. und Raynaud, P. (1963): Research on the role of the caecal wall in the metabolism of amino acids, Arch. Sci. Physiol. 17, 413 - 420

Parker, D.S. and Mcmillan, R.T. (1976): The determination of volatile fatty acids in the caecum of the conscious rabbit, Brit. J. Nutr. 35, 365 - 371

Panalis J., Schlolaut W., Lange K., Schley P. (1985): Trichobezoare beim Angorakaninchen - Untersuchungen zur Diagnose und Prophylaxe, Kleintierpraxis 30, 209-213

Proto, V. (1968): La coprofagia del coniglio sottoposto a differenti diete, Prod. Anim. 7, 157 - 171

Rheker I. (2001): Untersuchungen zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier- und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Robinson, K.L., Cheeke, P.R., Mathius, I.W. and Patton, N.M. (1986): Effects of age and cecotrophy on urea utilisation by rabbits, J. Appl. Rabbit Res. 9, 76 - 79

Schmidt, E.: Unterschied zwischen natürlichen und synthetischen Vitaminen

Susmel, P. and Lanari, D. (1977): Variations in volatile fatty acid levels in the rabbit caecum, Rivista de zoot. e Vet. 3, 282 - 288

Van Praag; www.medirabbit.com (Stand Mai 2013)

Wiesemüller, W. & Leibetseder, J. (1993): Ernährung monogastrischer Nutztiere. Jena, Stuttgart: G. Fischer. ISBN 3-334-60428-4.

Wenger, A. (1997): Vergleichende Untersuchungen zur Aufnahme und Verdaulichkeit verschiedener rohfaserreicher Rationen und Futtermittel bei Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla. Hannover: Tierärztl. Hochsch. Diss.