Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD)


RHD ist eine Virusinfektion, welche 1984 erstmals in China beschrieben wurde. Sie ist daher auch unter dem Namen Chinaseuche bekannt. Sie ist wesentliche Ursache für den teilweise dramatischen Rückgang der Wildkaninchenpopulation insbesondere in Teilen Mitteleuropas (Hammer 2006).

2010 stellte man erstmals einen neuen RHD-Erreger in Frankreich fest. Seit 2014 ist er in Deutschland zu finden.


Kapitel

Das Virus

Geschichte

Erkrankung

Behandlung, Impfung und Schutzmaßnahmen



Das Virus

Bei diesem Virus handelt es sich um ein Calcivirus mit etwa 40 Nanometer Durchmesser (Green et al. 2000). Haus- und Wildkaninchen können infiziert werden, ebenso Feldhasen. Für andere Säugetiere ist das Virus ungefährlich. Er kann bis zu 7 Monate überleben (Abrantes et al. 2012), verändert sich recht häufig und ist auch gegen Witterungseinflüsse immun.

Aufgrund von genetischen Unterschieden werden 3 Gruppen unterschieden:

  • das „klassische RHDV“, das erstmals 1984 gefunden wurde
  • die antigenetische Variante RHDVa, die erstmals im Jahr 1996 nachgewiesen wurde
  • RHDV-2 (auch RHDVb), die erstmals 2010 Frankreich identifiziert wurde

RHDV und RHDVa sind sehr nah miteinander verwandt, während RHDVb eine andere Oberflächenstruktur aufweist.


Besonders Mitte Mai bis Oktober kommt es häufig zu Erkrankungen, seltener auch in den Wintermonaten. Die Mortalität (Sterblichkeit) beträgt 40 bis 90 % (Granzow et al. 1989) bzw. 5 - 70 % bei RHD2 (Abrantes et al. 2012). Klinische Symptome zeigen Kaninchen erst ab ca. 40 - 50 Lebenstagen (Teifke et al. 2002; Ferreira et al. 2004).


Die Übertragung erfolgt durch Vektoren wie Insekten/Vögel, Tröpfcheninfektion über die Luft, kontaminiertes Grünfutter, direkten Kontakt oder den Menschen (Morisse et al. 1991, Ohlinger et al. 1993, Cooke 2002). Kadaver oder Haare infizierter Tiere sind ansteckend, ebenso Kot von Tieren welche infizierte Kaninchen gefressen haben (Abrantes et al. 2012). Die Krankheit kann sich schnell und epidemieartig ausbreiten (Abrantes et al. 2012).

Das Virus ist sehr resistent wenn es von organischem Material geschützt wird. Es überlebt Temperaturen über 50°C für über eine Stunde, ist stabil bei einem pH 4.5-10,5, überlebt einen pH von unter 3 aber wird bei einem pH über 12 inaktiviert. Mit 1%igem Natriumhydroxid oder 1-2%igem Formalin kann es inaktivert werden (Abrantes et al. 2012).



Geschichte

Datum Ereignis
1984
Die Krankheit wird erstmals in China bei Angorakaninchen beschrieben. Kurz darauf beobachtete man die RHD auch in Korea
1986
Erste Infektionen werden in Italien und Südeuropa gemeldet
1988
Russland, Afrika, Kuba, Mexiko, Indien. Erste Infektionen der Wildkaninchen in Spanien, kurz darauf in Frankreich
1990
Erstmals werden in Wildkaninchen in Deutschland Antikörper gegen RHD gefunden. Auftreten von Fällen in Skandinavien
1994
Erste Erkrankungen in England
1995 Ein Versuch wird unternommen, die Kaninchen in Australien mit dem Virus zu bekämpfen. Allerdings entwickelten sich dort Resistenzen, vermutlich durch eine "natürliche Impfung", einen abgeschwächten Virus, der nicht so pathogen ist und damit infizierte Kaninchen vor dem pathogeneren Virus geschützt sind.
2010 RHD2 wird das erste mal in Frankreich identifiziert
2014 Erste RHD2-Fälle in Deutschland



Erkrankung

Die Inkubationszeit beträgt etwa 12 bis 72 Stunden (Marcato et al. 1991). Etwas länger mit 3 - 9 Tage ist sie bei RHD2 (Cfsph 2016).

Die Mortalität beträgt 40 - 90 %. (Granzow et al. 1989). Nach verschiedenen Autoren erkranken Kaninchen bis zu einem Alter von etwa 10 Wochen nicht an RHD (Teifke et al. 2002; Ferreira et al. 2004). An RHDV2 hingegen können auch sehr junge Kaninchen erkranken. Die Mortalität des neuen RHD2 ist mit 5 - 70 % wesentlich variabler (Abrantes et al. 2012).

Gekennzeichnet ist RHD je nach Verlaufsdauer durch einen perakuten bis akuten Krankheitsverlauf, subakute und chronische Formen treten selten auf (Teifke et al. 2002).


  • Perakuter Verlauf: Ohne vorherige Symptome bricht das Tier zusammen und erstickt unter Atemnotkrämpfen (der Kopf wird weit nach hinten gebogen, ein verzweifelter Reflex besser Luft zu bekommen), Blutaustritt aus den Nasenlöchern. Auch kann es zu Aufschreien des Tieres kann beobachtet werden.
  • Akuter Verlauf:
    • Ca. 2 bis 4 Tagen nach der Infektion kommt es zu leichter Benommenheit, Atemnot /schwere Atmung, Unruhe, Fieber, Inappetenz oder auch blutigem Durchfall. Die Tiere verenden unter Erstickungskrämpfen mit Blutaustritt.
    • Milder Verlauf: Allgemeines Unwohlsein, Erholung nach einigen Tagen. Da Störungen des Allgemeinbefindens auf viele verschiedene Erkrankungen zutreffen, wird die RHD selten erkannt.
  • Chronischer Verlauf: Vor allem bei RHD2. Die Tiere zeigen Gewichtsverlust und sterben nach 1 - 2 Wochen


Kennzeichen der RHD sind Blutungen in Schleimhäuten, Serosen und zahlreichen Organen, sowie Leberveränderungen. Die Leber erscheint braun-gelblich, bis zu diffus dunkelrot, mit deutlicher Läppchenzeichnung. Auch die Milz ist geschwollen und meistens schwarz-rot gefärbt. Die Lunge kann fokal bis diffus dunkelrot gefärbt sein. Oft ist ein alveoläres Ödem zu finden (Xu und Chen 1989; Marcato et al. 1991; Ohlinger et al. 1993).

RHD ist weder anzeige- noch meldepflichtig.



Behandlung, Impfung und Schutzmaßnahmen

Eine Behandlung der eigentlichen Erkrankung ist leider nicht möglich. Tiere aus einer betroffenen Gruppe sollten umgehend in ein noch nicht verseuchtes Gehege umgesiedelt werden, alle Tiere sollten voneinander separiert werden. Strikte Hygiene um eine weitere Übertragung zu vermeiden ist unbedingt nötig!

Leber- und immunstärkende sowie virusabtötende Medikamente können verabreicht werden.

Verstorbene Kaninchen sollten nicht im Garten begraben sondern verbrannt werden, da das Virus in den Kadavern erhalten bleibt.

Es empfiehlt sich Proben der Leber oder das verstorbene Tier ins Labor zu schicken um eine sichere Diagnose zu bekommen. Bis zur Versendung sollten die Proben bei 4°C gelagert werden, dauert es länger als 24 Stunden bevor die Proben versandt werden, so sollten diese bei einer Temperatur von -20 Grad gelagert werden.


Impfung

In Deutschland und Österreich ist eine Impfung möglich. Eine Immunisierung hält etwa 6 Monate (Huang 1991) bis 12 Monate (Arguelleo Villares 1991; Anon 2004) an. Geimpft werden können Kaninchen erst ab einem Alter von sechs Wochen (Hammer 2006). Nachkommen bereits immunisierter Weibchen sollten ab der 12 Lebenswoche geimpft werden. (Selbitz und Moos 2003).

Hauptartikel: Impfung

Gegen RHD2 ist von den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen bisher nur für die konventionellen, monovalenten Impfstoffe gezeigt, dass sie nach mehrfacher Gabe (d. h. nach zweimaliger Immunisierung im Abstand von drei Wochen, gefolgt von halbjährlichen Wiederholungsimpfungen) gegen schwere klinische Ausprägungen einer RHDV-2 Infektion schützen (Tierärzteverband.de, Stand 13.10.2016).

Importiert werden können zudem Impfstoffe aus Frankreich oder Spanien, die gut gegen RHD2 schützen sollen:

  • Filavac VHD K. C+V aus Frankreich (einmalige Impfung, Wiederholung halbjährlich/jährlich)
  • Cunipravac RHD variant aus Spanien (zweimal mit 6 Wochen Abstand, Wiederholung halbjährlich)


Weitere Schutzmaßnahmen

  • Schutz vor Insekten (Z.B. Fliegengitter, Klebestreifen)
  • Einhaltung von Quarantänezeiten neuer Tiere
  • Vermeidung von Grünfutter aus gefährdeten Gebieten (infizierte Wildkaninchen)
  • Hygiene im Stall, um Fliegen fernzuhalten
  • Regelmäßiger Gesundheitscheck
  • Ein Kontakt zwischen Wild- und Hauskaninchen sollte vermieden werden
  • Eine vernünftige Haltung, Versorgung und Ernährung sorgen für ein gesundes Immunsystem und für bestmöglichen Schutz vor Erkrankungen!



Quellen

Abrantes, J., Van Der Loo, W., Le Pendu, J., & Esteves, P. J. (2012): Rabbit haemorrhagic disease (RHD) and rabbit haemorrhagic disease virus (RHDV): a review

Anon. (2004): OIE Manual of Diagnostic Test and Vaccines for Terrestrial Animals. 5th Edition

Arguello Villares J.L. (1991) Viral haemorrhagic disease of rabbits: vaccination and immune response. Rev.Sci.Tech. 10, 459-480

Center for Food security & public health (Stand 13.10.2016) : Rabbit Hemorrhagic Disease

Cooke B.D. (2002) Rabbit haemorrhagic disease: field epidemiology and the management of wild rabbit populations. Rev.Sci.Tech. 21, 347-358

Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

Ferreira P.G., Costa-E-Silva, MonteiroO E., Oliveira M.J. & Aguas A.P. (2004) Transient decrease in blood heterophils and sustained liver damage caused by calicivirus infection of young rabbits that are naturally resistant to rabbit haemorrhagic disease. Res.Vet.Sci. 76, 83-94

Granzow, H., H. Schirrmeier und H. Tews (1989): Hämorrhagische Septikämie der Kaninchen - Erregernachweis und erste elektronenmikroskopische Charakterisierung. Mh.Vet.Med. 4, 379-380

Green K.Y., Ando T., Balayan M.S., Bereke T., Clarke I.N., Estes M.K., Matson D.O., Nakata S., Neill J.D., Studdert M.J. & Thiel H.J. (2000) Taxonomy of the caliciviruses. J.Infect.Dis. 181 Suppl 2: S322-30., S322-S330

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Lange, B.: RHD - Immunprophylaxe mit dem Riemser Absorbatimpfstoff RIKA-VACC; 8. Arbeitstagung über Haltung und Krankheiten der Kaninchen, Pelztiere und Heimtiere der Fachgruppe Kleintierkrankheiten der DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft e. V.), 20 - 21. Okt. 1993 in Celle, RTAM; Riemser Tierarzneimittel GmvH, Riemserort

Liu, S. J., H. P. Xue, B. Q. Pu und N. H. Quian (1984): A new viral disease in rabbits. Animal Husbanday and Veterinary Medicine 16, 253-255

Marcato P.S., BenazziC., Vecchi G., Galeotti M., Della S.L., Sarli G. & Lucidi P. (1991) Clinical and pathological features of viral haemorrhagic disease of rabbits and the European brown hare syndrome. Rev.Sci.Tech. 10, 371-392

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RHD Schutzimpfung - IDT-Info für Züchter und Halter von Kaninchen vom IDT Impfstoffwerk Dessau-Tornau GmbH in Roßlau

Rainer Holubek: Geschlossene Impfdecke schützt vor Myxomatose und RHD. In: Kaninchenzeitung 5/2008

Selbitz H.J. und Moos M. 2003: Tierärztliche Impfpraxis, Stuttgart, Enke, ISBN-10: 3830410565

Teifke J.P., Reimann I. & Schirrmeier H. (2002) Subacute liver necrosis after experimental infection with rabbit haemorrhagic disease virus (RHDV). J.Comp Pathol. 126, 231-234

Xu Z.J. & Chen W.X. (1989) Viral haemorrhagic disease in rabbits: a review. Vet.Res.Commun. 13, 205-212