Prophylaxe


Vorbeugen ist besser als heilen. Verschiedene Faktoren beeinflussen den Gesundheitsstatus eines Tieres und die Fähigkeit des Immunsystems, mit Erkrankungen zurecht zu kommen.

Viele Menschen befassen sich weitaus mehr mit verschiedenen Krankheiten und deren möglichen Behandlung, anstatt mit der Frage, warum manche Tiere wie krank werden. Dabei spielt die Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes und die Vorbeugung von Krankheiten eine sehr wichtige Rolle.

Einige Faktoren und Prophylaxemöglichkeiten wird hier vorgestellt.


Kapitel

Haltung

Ernährung

Impfung

Entwurmung

Kastration



Haltung

Die Haltung spielt eine wichtige Rolle bezüglich des gesundheitlichen Zustandes und des Wohlbefindens der Kaninchen. Ungeeigente bzw. belastende Haltungsbedingungen sind krankheitsfördernd (Hessing et al 1994; Ferrante et al 1998).

Ein wichtiger Faktor ist Stress. Stress kann sich sowohl steigernd auf die immunologische Funktionen auswirken, diese aber auch hemmen. Steigernd auf das Immunsystem wirkt sich positiver Stress (Eustress) aus, während negativer Stress (Disstress) das Immunsystem negativ beeinflusst (Tuchscherer und Manteuffel 2000). Stress wird erst dann negativ interpretiert, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt.

Werden also Kaninchen ständig gestresst und können diesen nicht abbauen, vermindert dass ihr Wohlbefinden und ihre Immunabwehr. Vor allem latente Infektionen können ausbrechen, wenn die Stressbelastung ansteigt (Glaser et al 1985).

Mögliche Ursachen für den Stress können sein:

  • Zu große Gruppen. Nach Southern (1949) nimmt die Aggressivität mit der Größe der Population zu
  • Zu beengter Raum. Können sich die Tiere nicht ausreichend bewegen, können sie ihren Stress nicht ausreichend abbauen
  • Falsche Konstellationen, zu wenig Ausweichmöglichkeiten, zu viele Tiere auf zu engem Raum etc. kann zu einem erheblichen Stresspotential führen
  • Krankheit, Schmerzen
  • Mangel an Strukturierung im Gehege, Mangel an Rückzugsmöglichkeiten

Allerdings sollte nicht nur Disstress vermieden werden, sondern auch Eustress gefördert werden (Tuchscherer und Manteuffel 2000).

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Abbildung 1: Konflikte innerhalb der Gruppe bedeuten Stress. Eine tiergerechte Haltung ermöglicht es den Kaninchen, diesen Stress wieder abzubauen.

Neben dem Stress spielt auch der Infektionsdruck eine wichtige Rolle. Je mehr Tiere gehalten werden, desto höher ist der Infektionsdruck für das einzelne Tier.

Ein Mangel an Hygiene kann ebenfalls das Krankheitsrisiko erheblich erhöhen.



Ernährung

Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Faktor bezüglich in Hinsicht auf die Gesundheit der Kaninchen. Eine richtige Ernährung sorgt dafür, dass die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane richtig genutzt und belastet werden, versorgt das Kaninchen mit lebenswichtigen Nährstoffen und gesundheitsfördernden Wirkstoffen.

Die Versorgung mit ausreichend Nährstoffen ist ein wichtiger Faktor, der die Gesundheit der Tiere beeinflusst. So sind verschiedene Vitamine daran beteiligt, die Funktion von Haut und Schleimhaut aufrecht zu erhalten, das Immunsystem zu stimulieren und die Abwehrzellen zu stärken. Verschiedene Spurenelemente spielen eine wichtige Rolle bei der Aktivität der Fresszellen, der Wundheilung und der Stimulation der Immunabwehr. Bei Proteinmangel bilden sich die Thymusdrüse, die Milz und die Lymphknoten zurück, welche eine für das Immunsystem wichtige Rolle spielen. Es kommt dadurch zu vielfältigen Störungen der Immunfunktion (Daly 1990). Mangel an Energie führt zu Verlust an Körpermasse und kann Immunschwäche und damit eine erhöhte Infektionsanfälligkeit hervorrufen (Zentek und Kampuhes 1999).

Neben den lebensnotwenigen Nährstoffen spielen auch verschiedene Wirkstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe eine entscheidende Rolle. Bei sekundären Pflanzenstoffen handelt es sich um Farb-, Abwehr- und Schutzstoffe sowie Wachstumsregulatoren. Es gibt zahlreiche verschiedene Pflanzenstoffe und genauso unterschiedlich ist auch ihre Wirkung auf den Organismus. Beispielsweise wirken Polyphenole, vor allem die Flavonoide antikanzerogen (und antigenotoxisch), antioxidativ, immunmodulierend, entzündungshemmend, antithrombotisch, blutdrucksenkend, blutzuckersenkend und antimikrobiell (Schek 2002).

Neben dem Gehalt an Nähr- und Wirkstoffen spielt auch die Zusammensetzung, Vielfalt und Struktur eine wichtige Rolle. So stimulieren Faserstoffe die Darmschleimhaut und erhöhen so deren Widerstandskraft gegenüber Bakterien (Cheeke und Patton 1980). Eine zu geringe Partikelgröße kann die Darmpassage verlangsamen (Garcia et al. 1996; De Blas et al. 1999; Garcia et al. 2000), wodurch es zu einer Fehlbesiedlung kommen kann.

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Impfung

Hauptartikel: Impfungen

Es besteht die Möglichkeit, Kaninchen gegen verschiedene Krankheiten impfen zu lassen. Diese Impfungen können den Kaninchen bei Erregerkontakt helfen die Erreger effektiver und schneller zu bekämpfen.



Entwurmung

Bei vielen Tierarten wird eine regelmäßige Entwurmung verabreicht. Es handelt sich hierbei nicht um eine Prophylaxe, denn es beugt keine Würmer vor. Bei einer Entwurmung können maximal bereits vorhandene Würmer abgetötet werden. Allerdings kann es durch falsche Entwurmung zu Resistenzen kommen. Überleben Würmer eine Behandlung mehr oder weniger unbeschadet und behält seine Vermehrungsfähigkeit bei, kann er seine Resistenzeigenschaft auf die Nachkommen vererben. Durch regelmäßige, unsachgemäße Entwurmung steigt der Selektionsdruck und fördert die Entstehung von Wurmmittelresistenzen. Inzwischen liegen bei einigen Tierarten wie dem Schaf zahlreiche Resistenzen vor.

Die Ursachen für diese Resistenzen sehen Fachleute in einem ganzen Bündel von Fehlern, die regelmäßig bei der Entwurmung von Schafen gemacht werden (Kaulfuß 2010):

  • Entwurmung ohne vorherige Diagnose
  • Zu hohe Entwurmungsfrequenzen
  • Unterdosierung des Wurmmittels
  • Keine ständiger Wechsel (Rotation) der Wirkstoffgruppen
  • Fehlende Kontrolle des Entwurmungserfolges
  • kein „Dose and Move System“, d.h. Weidewechsel unmittelbar nach einer Entwurmung. Damit besteht die Gefahr, das eine neue, „saubere“ Weide ausschließlich mit den Eiern von resistenten Würmern kontaminiert wird.
  • Überbelegung der Weideflächen. Dieses Problem tritt oft in Hobbyhaltungen auf.



Kastration

Hauptartikel: Kastration

Von einigen Halter wird die Kastration der weiblichen Kaninchen zur Prophylaxe gegen Gebärmutterveränderungen eingesetzt. Diese Vorgehensweise ist umstritten. Kastrationen könnten das Risiko für andere Erkrankungen wie Osteoporose oder Tumore an anderen Stellen erheblich erhöhen. Bei Kaninchen liegen hierzu bislang keine Studien vor, welche die langfristigen Auswirkungen von Kastrationen auf Verhalten und Gesundheit untersuchen.



Quellen

Cheeke, P.R. and Patton, N.M. (1980): Carbohydrate-overload of the hindgut - a probable cause of enteritis; J. Appl. Rabbit Res. 3, 20 - 23

Daly JM, Reynolds J, Sigal RK, Shou J, Lieberman MD: Effect of dietary protein and amino acids on immune function. Crit Care Med 18 (1990) 86-93

Ferrante V., Canali E., Matiello S., Verga M., Sacerdote P., Manfredi B., Panerai A.E. (1998): Preliminary study on the effect of size of individual stall on the behavioural and immune reactions of dairy calves. J. Anim. Feed Sei., 7 , 29-36

Garcia, J., R. Carabano, L. Pérez-Alba u. C. De Blas (1996): Effect of fibre source on neutral detergent fibre digestion and caecal traits in rabbits. 6th World Rabbit Congress, Toulouse Vol. 1, 175 - 179

Garcia, J., R. Carabano, L. Pérez-Alba u. C. De Blas (2000): Effect of fiber source on cecal fermentation and nitrogen recycled through cecotrophy in rabbits. J. Anim. Sci. 78, 638 – 646

De Blas, C., J. Garcia u. R. Carabano (1999): Role of fibre in rabbit diets. A review. Ann. Zootechn. 48, 3 – 13

Hans Konrad Biesalski, Josef Köhrle, Klaus Schürmann: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Thieme, 2002, ISBN 3-13-129371-3

Hessing, M.J.C; Scheepens, C.J.M.; Schouten, W.G.P.; Tielen, M.J.M.; Wiepkema, P.R. 1994): Social rank and disease susceptibility in pigs. Vet. Immunol. Immunopathol., Amsterdam 43, 373-387

Kaulfuß K.H. (2010): So können Sie Wurmmittelresistenzen verhindern, Schafzucht, 9/2010, S. 10 – 12

Tuchscherer M., Manteuffel G. (2000): Die Wirkung von psychischem Streß auf das Immunsystem. Ein weiterer Grund für tiergerechte Haltung. Aus dem Forschungsinslilut ftlr die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN), Dummerstorf

Schek, A. (2002): Sekundäre Pflanzenstoffe, In: Leistungssport 5/02

Scholz H.: Starkes Immunsystem: Mikronährstoffe für Abwehrzellen

Zentek, J. und Kamphues J. (1999): Erkrankungen bei kleinen Heimtieren durch eine Fehlversorgung mit Energie oder Protein, Fortbildungsveranstaltung „Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere, Tierärztliche Hochschule Hannover 1999, 105 – 109