Impfung


Impfungen werden als Prophylaxe gegen verschiedene Infektionskrankheiten angewendet. Es gibt verschiedene Impfstoffe und Möglichkeiten.


Kapitel

Mögliche Impfungen beim Kaninchen

Wirkungsweise

Wirksamkeit

Nebenwirkungen und Risiken

Risiken bei Kaninchen

Impfempfehlungen und Impfintervalle



Mögliche Impfungen beim Kaninchen

Myxomatose

Ausführliche Informationen zu Myxomatose: Myxomatose

In Deutschland und Österreich ist eine Impfung möglich, in der Schweiz ist kein Impfstoff zugelassen. Deutsche Impfstoffe enthalten Lebendviren aus Zellkulturen auf der Basis von abgeschwächten Myxomatoseviren.

Es gibt verschiedene Impfstoffen. Normalerweise wird subkutan (unter die Haut) gespritzt.

Geimpft werde kann:

  • Vakzin (Enthält das Shope'sche Fibromvirus) subkutan: Oft kommt es zur Anschwellung an der Einstichstelle. Hierbei handelt es sich nicht um Myxomatose, sondern um die Abwehrreaktion des Körpers. Solche Impfstoffe werden in Deutschland nicht angewendet.
  • Vakzin (mit abgeschwächten Myxomatosevirus) subkutan
  • Intrakutane Impfung am Ohr: Je ähnlicher der Impfstoff eine natürlichen Infektion imitiert, desto höher ist die Immunisierung und die Wirksamkeit. Bei dieser Art der Impfung wird ein Mückenstich imitiert und ein höherer Antikörperspiegel erreicht als beim einer subkutanen Impfung. Allerdings benötigt der Tierarzt ein Applokationsgerät (Dermojet), dies hat nicht jeder zur Verfügung. Eine leichte Pockenbildung ist möglich. Besondere Vorsicht ist bei tätowierten Tieren geboten, die Einstichstelle muss sorgfältig gewählt werden.

In Deutschland zugelassene Impfstoffe (Paul Ehrlich Institut, Stand 2016):

  • Cunivak Jet®, IDT Biologika GmbH
  • Cunivak Myxo®, IDT Biologika GmbH
  • Lapimed Myxo id®, Merial GmbH
  • Riemser Myxomatose-Vakzine®, Riemser Arzneimittel AG
  • Rika-Vacc Myxo sc®, Riemser Arzneimittel AG

In Kombination mit RHD:

  • Cunivak Combo®, IDT Biologika GmbH
  • Dercunimix®, Merial GmbH
  • Rika-Vacc Duo®, Riemser Arzneimittel AG
  • Nobivac Myxo-RHD


RHD

Informationen zu RHD: RHD

In Deutschland und Österreich ist eine Impfung möglich. Es ist nicht möglich das Virus in Zellkulturen zu vermehren und zu teuer, diese gentechnisch herzustellen (Peichl 2009). Kommerziell erhältlichen Vakzine werden aus Leberhomogenaten experimentell infizierter Kaninchen hergestellt (Hammer 2006), welche inaktiviert werden. Es handelt sich um Totimpfstoffe mit Aluminiumhydoxid oder Öladjuvans.

In Deutschland zugelassene Impfstoffe (Paul Ehrlich Institut, Stand 2016):

  • Cunivac RHD®, Impfstoffwerk Dessau Tornau GmbH, Dessau
  • Lapimed®, Merial GmbH, Laupheim
  • Rika-Vacc RHD®, Riemser Arzneimittel AG, Insel Riems

Seit 2012 ist ein neuer Kombinations-Impfstoff (Nobivac Myxo-RHD) zugelassen, welcher nicht aus experimentell infizierter Kaninchen gewonnen wird.

In Deutschland ist derzeit kein Impfstoff gegen RHD2 zugelassen. Ein Import ist möglich

  • Filavac VHD K. C+V aus Frankreich
  • Cunipravac RHD variant aus Spanien


Kaninchenschnupfen

Fertigimpfstoffe ermöglichen nur eine Impfung gegen Pasteurellen und Bordetellen, also gegen nur wenige Erreger des Kaninchenschupfen. Eine Anfertigung eigener Bestandsimpfstoffe für Mastbetrieben ist möglich. Geimpft wird mit Totimpftstoffen, enthaltener Zusatzstoff ist Aluminiumadjuvan.

In Deutschland zugelassene Impfstoffe (Paul Ehrlich Institut, Stand 2016):

  • Cunivak Past®, IDT Biologika GmbH


E. Coli-Infektionen

Escherichia Coli ist an Krankheitsbildern der Kaninchendysenterie und möglicherweise mukoiden Enteritis beteiligt. Handelsimpfstoffe sind nicht verfügbar. Im Bedarfsfall kann nach Klärung der Bedeutung des Erregers ein bestandspezifischer Impfstoff eingesetzt werden.


Clostridium perfringens Typ A

Clostridium perfringens vom Typ A verursacht Nahrungsmittelvergiftung durch verschiedene gebildete Toxine. Impfstoffe richten sich gegen das gebildete Gift

In Deutschland zugelassene Impfstoffe (Paul Ehrlich Institut, Stand 2016):

  • CUNIVAK ENT, IDT Biologika GmbH



Wirkungsweise

Es gibt zwei verschiedene Formen der Impfung. Die aktive und die passive Immunisierung.

Aktive Immunisierung

Eingesetzt werden Lebendimpfstoffe oder Totimpfstoffe.

  • Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte und noch vermehrungsfähige Erreger. Myxomatose wird bei Kaninchen mit Lebenimpfstoffen geimpft. Es handelt sich dabei um speziell gezüchtete, abgeschwächte aber lebende Myxomatoseviren. Der Impfvirus verhält sich im Kaninchen wie der eigentlich Virus, so dass Abwehr in allen Phasen der Infektion trainiert werden kann (Holubek 2007).
  • Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur noch Bruchstücke, sogenannte Antigene oder nur noch die Toxins eines Erregers. Kaninchenschnupfen und RHD wird mit Totimpfstoffen geimpft. Da diese im Gegensatz zu Lebenimpfstoffen dass Immunsystem weniger intensiv anregen, werden immunstimulierende Hilfsstoffe hinzugefügt (Holubek 2007).

Bei Kontakt mit den Impfstoffen erkennt der Körper die entsprechenden Antigene des Erregers, das Immunsystem reagiert mit einer primären Immunantwort. Anschließend bilden sich aus den Lymphozyten Gedächtniszellen, welche weiterhin im Blut und den Lymphbahnen zirkulieren. Bei erneutem Kontakt mit dem Erreger reagiert das Immunsystem durch die vorhandenen Gedächtniszellen sehr viel effizienter und schneller und kann den Ereger besser bekämpfen.


Passive Immunisierung

Bei einer passiven Immunisierung werden direkt Antikörper gespritzt. Diese können die Erreger schneller bekämpfen als das körpereigene Immunsystem. Allerdings hält diese Immunisierung nur wenige Wochen bis Monate an, da die „geliehenen“ Antikörper ausgeschieden oder abgebaut werden. Gedächtniszellen werden dabei nicht gebildet. Die passive Immunisierung ist daher nur eine Notfallmaßnahme, falls schon ein Kontakt mit dem fraglichen Erreger stattgefunden hat.

Zur Anwendung bei Kaninchen stehen keine Präparate zur passiven Impfung zur Verfügung (Holubek 2007).


Auffrischung

Die Auffrischungsimpfung unterscheidet sich von der Grundimmunisierung. Innerhalb kurzer Zeit kommt es durch die einmalige Gabe einer geringeren Impfstoffdosis wieder zu einem belastungsfähigen Antikörperspiegel im Serum. Die langlebigen Gedächtniszellen werden durch die körperfremden Antigene aktiviert und differenzieren zu Antikörper-produzierenden, aber kurzlebigeren Plasmazellen aus.

Die Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung kann nicht verallgemeinert werden und ist abhängig vom Impfstoff. Nicht zu verwechseln ist die Auffrischimpfung mit den notwendigen Teilimpfungen, die je nach Impfstoff für eine abgeschlossene Grundimmunisierung notwendig sind.


Impftiter

Durch einen hohen Antikörperspiegel können sich die Tiere praktisch nicht mit dem Erreger infizieren. Sinkt der Antikörperspiegel ist eine Infektion möglich. Durch bestehende Gedächtniszellen ist aber bei erneutem Erregerkontakt die Produktion neuer Antikörper möglich. Ein dauerhaft hoher Impftiter ist so zwar von Vorteil, aber nicht unbedingt nötig. Auch bei einem niedrigen Titer kann das Tier geschützt sein.



Wirksamkeit

Durch eine Impfung kann der Organismus schneller und effizienter bei Erregerkontakt reagieren. Einen 100% Schutz gibt es durch die Impfung nicht, aber die Erkrankungswahrscheinlichkeit sinkt oder der Krankheitsverlauf wird abgemildert.

Die Wirksamkeit der Impfung kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden:

  • Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln [1]
  • Immunzustand (Holubek 2007)
  • Fütterung und Haltung (Holubek 2007)
  • Wahl des Impfstoffes (Holubek 2004)
  • geringe Impfdichte, hoher Tierbestand und daraus folgender hoher Infektionsdruck (Hoffmann 2006)


Bei Belastung mit Ekto- und Endoparasiten oder bakteriellen Infektionen reagieren die Tiere nur mit ungenügender Bildung von Abwehrstoffen, wodurch die Wirksamkeit der Impfung eingeschränkt wird (Holubek 2007). Durch eine Impfung gesunder Tiere wird somit sichergestellt, dass das Immunsystem der Tiere in gewünschter Weise reagiert und ein ausreichender Impfschutz aufgebaut wird (Holubek 2007). Denn durch Impfung wird lediglich ein Erregerkontakt vermittelt, der Schutz muss vom Immunsystem aktiv aufgebaut werden.


Wirksamkeit der Impfstoffe bei Kaninchen

  • Myxomatose: Bei Verwendung eines abgeschwächten (attenuierten) MV-Stammes wird eine Schutzwirkung von über 70% ausgebildet (Marlier et al. 2000)
  • die Impfung gegen Myxomatose ist weniger zuverlässig als die gegen RHD (Ewringmann 2005)
  • Kaninchenschnupfen: Da von Pasteurella multocida diverse Serovare existieren, aber nur wenige davon in den Impfstoffen enthalten sind ist die Wirksamkeit dieser Impfung umstritten. Bei latent infizierten Tieren kann es zu heftigen Krankheitsausbrüchen nach einer Impfung kommen (Ewringmann 2005)



Nebenwirkungen und Risiken

Nebenwirkungen von Impfungen können sowohl Impfreaktion als auch Impfkomplikation sein. Impfreaktionen sind kurzzeitig und vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen wie Schwellung an der Injektionsstelle oder Gliederschmerzen. Eine Impfkomplikation hingegen geht über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinaus.


Impfdurchbrüche

Bei Lebendimpfstoffe kann es in seltenen Fällen zu einem Ausbruch der Krankheit kommen, gegen die geimpft wurde.

Impfdurchbrüche sind häufig eine Folge einer schwachen Ausbildung der körpereigenen Schutz- und Abwehrstoffe geimpfter Kaninchen. Der mangelnde oder ungenügende Erfolg einer Impfung kann nur einem Komplex verschiedener Ursachen angelastet werden (Holubek 2004).

So kann es durch enthaltene, ungenügend abgetötete und vermehrungsfähige Erreger im Impfstoff zu Durchbrüchen kommen. Ebenso kann es bei einer Impfung bereits infizierter Kaninchen zu Ausbrüchen der Krankheit kommen (Holubek 2004).


Impfschäden

Unter Impfschäden wird die Reaktion des Tieres auf den verabreichten Impfstoff gesehen. So kann es durch die Impfung zu einem allergisch-anaphylaktischen Schock kommen.

Unterschieden wird dabei zwischen Reaktionen auf den Impfstoff selbst und Schäden, welche technisch bedingt sind. Viele Impfschäden werden durch den beim impfen entstehenden Stress ausgelöst. So können sowohl ruhende latente Erkrankungen ausbrechen, als auch Erreger durch die Haut eingeschleppt werden (Holubek 2004).


Immunschwäche

Das Immunsystem verfügt über verschiedene Abwehrmechanismen. Die zelluläre Abwehr und die humorale Abwehr. Diese befindet sich im Gleichgewicht. Einige Impfungen stimulieren jedoch die humorale Abwehr, während die zelluäre vermindert wird. Dadurch kann es zu einer erhöhten Anfälligkeit für bakterielle Infektionen kommen. In schlimmen Fällen kann es zu einem Zustand der anhaltenden Entzündungsreaktion kommen (Peichl 2009).


Zusatzstoffe

Neben dem Antigen enthalten Impfstoffe einige weitere Bestandteile und Zusätze. Manche stammen aus der Herstellung, andere dienen der Konservierung oder verstärken die Immunreaktion. Immunstimulierende Hilfsstoffe, sog. Adjuvantien, werden vor allem bei Totimpfstoffen eingesetzt und eine ausreichenden Schutz zu gewähleisten.

  • Thiomersal: Hält Behälter keimfrei, ist eine organische Quecksilberverbindung. Die Chemikalie ist ein starkes Allergen und kann Membranen und Erbgut schädigen. Es besteht zu 49,6 % aus Ethylquecksilber, welches in hohen Dosen die Nervenzellen schädigen kann. Verstärkt werden kann die Reaktion durch Aluminuim. Beides ist in vielen Totimpfstoffen vorhanden (Peichl 2009)
  • Aluminiumhydoxid/Aluminiumsalze: Auch diese Stoffe werden zur Verstärkung der Immunreaktion eingesetzt. Sie rufen eine lokale Entzündungsreaktion hervor um Immunzellen anzulocken. Dies stellt aufgrund der schlechten Auflösbarkeit und Abbaubarkeit jedoch auch ein Risiko dar. Zudem können nach Peichl (2009) auch Nervenzellen geschädigt werden.
  • Öladjuvantien: In Humanimpfstoffen nicht zugelassen, können aber in Tierimpfstoffen verwendet werden. Das Bundesamt für Veterinärwesen BVET mahnt zur Vorsicht beim Gebrauch, da es bei Menschen zu schweren Komplikationen kommen kann.
  • Saponine: Immunstimulierend. Können jedoch auch rote Blutzellen zerstören (Peichl 2009)
  • Formalin/Antibiotika: Verwendet zum Abtöten gezüchteter Erreger oder um Verunreinigungen zu verhindern. Allergische Reaktionen sind möglich. Formalin kann Krebs auslösen (Peichl 2009)
  • Fremdproteine: Einige Impfstoffe werden in artfremden Gewebe gezüchtet. Die dort enthaltenen Proteine können in den Impfstoff gelangen. Dadurch kann es zu Allergien kommen (Peichl 2009)



Risiken bei Kaninchen

Bei Kaninchen ist die Datenlage eher spärlich.


Impfschäden und Impfdurchbrüche

Das Paul-Ehrlich-Insitut beschäftigt sich mit unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen und wertet Meldungen von pharamazeutischen Unternehmen, Tierärzten und Tierbesitzern aus.

Tabelle 1: Meldungen bei Kaninchen

Jahr Anzahl der Meldungen Meldungen Quelle
1998

35

Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
1999
15
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2000
13
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2001
16
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2002
9
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2003
19
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2004
14
4 Verdachtsfälle mangelnder Wirksamkeit. Andere Meldungen betreffen verschiedene Symptome (zentralnervöse Störungen, Augenaffektion, Todesfälle), deren Zusammenhang mit der Impfung aber nicht belegt ist. Drei Meldungen über Knötchenbildung an der Injektionsstelle liegen vor.
Hoffmann et al. 2004
2005
14
Keine weiteren Angaben
Hoffmann et al. 2006
2006
15
11 Meldungen betreffen den Myxomatoseimpfstoff, teils kombiniert mit RHD. Sechs Verdachtsmeldungen auf mangelnde Wirksamkeit. 5 Fälle mit teilweise schweren, knotigen Schwellungen an den Ohren, Augenlidern und Genitalbereich (Verdacht auf Impfung bereits erkrankter Tiere).
Hoffmann et al. 2006
2007
17
17 Meldungen. 11 betreffen Myxomatose, teils kombiniert mit RHD. Bei sieben Tieren Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit. Andere Meldungen betreffen allergische Hautreaktion, Freßsstörungen und ungeklärte Todeursache. 4 Meldungen betreffen RHD. Nekrotische Hautreaktionen und ungeklärte Todesfälle. Bei einem Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit der Impfung konnte gezeigt werden, dass ein bereits erkranktes Kaninchen geimpft wurde.
Hoffmann et al. 2007
2008/2009
30
17 Fälle zu Myxomatose- und 18 Fälle zu RHD-Vakzinen, teils kombiniert verabreicht. 18 Todesfälle, teilweise mit allergische Reaktion. 9 Fälle mit Verdacht auf mangelnder Wirksamkeit, wobei in mindestens zwei Fällen bereits innerhalb der Inkubationszeit geimpft wurde.
Hoffmann et al. 2009

Nach Hoffmann et al. (2006) waren bis 2006 pro Meldung 42,9 Kaninchen betroffen und es wurden 9,27 Todesfälle pro Meldung genannt. Häufig gibt es Meldungen über verendete Tiere, die mangels weiterer Angaben nicht näher nachzuvollziehen sind (Hoffmann et al. 2006). Leider fehlen Angaben wieviel Kaninchen jährlich geimpft werden.

Nach Holubek (1999) sind impfbedingte Nebenwirkungen als gering einzustufen, wenn die Tiere zum Impfzeitpunkt gesund sind.

Nach Peichl (2009) kann es durch Myxomatoseimpfungen zu Immunschwächung, Impfmyxomatose, Schwellungen, Entzündungen an Augen und Ohren sowie Todesfällen kommen. Bei RHD kann es zu Impfknoten an der Injektionsstelle, Nekrosen, Schwellungen, Geschwüren und Todesfällen kommen. Bei einer Impfung gegen Kaninchenschnupfen sind Entzündungsreaktionen oder Krankheitsausbrüche möglich.


Übertragungsgefahr

Wird ein Kaninchen geimpft, wird das Immunsystem dazu angeregt, einen Schutz aufzubauen. So kann auf folgende Infektionen schneller und effektiver reagiert werden. Trotz allem können die Tiere sich infizieren und so zum Überträger von Erregern werden, auch ohne selbst Symptome zu zeigen. Nach Rutz (2003) bleiben bei Myxomatose etwa 20 % der vakzinierten Tiere Ansteckungsherde.

Daher ist es sinnvoll, sofern geimpft wird, den gesamten Bestand zu impfen. Zudem sollte dies bei der Vermittlung von Tieren über weitere Entfernungen bedacht werden. Die geimpften Hauskaninchen könnten die Krankheiten in nicht bestehende Haus- und Wildkaninchenbestände einschleppen.



Impfempfehlungen und Impfintervalle

Für Kaninchen werden verschiedene Impfempfehlungen herausgegeben. Der Halter sollte sich über die Risiken und Möglichkeiten informieren und abwägen, wann welche Impfung in welcher Form für das eigene Tier sinnvoll ist. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Tiere bei einer Impfung gesund sind.

Die Intervalle der Impfungen werden unterschiedlich angegeben.


Nach Peichl 2009 kann eine Verlängerung der bislang empfohlenen Impfabständen nicht empfohlen werden, da entsprechende Untersuchungen fehlen. Tierhalter sollten sicht entsprechend über die Myxomatose-Situation informieren. Liegen keine zuverlässigen Informationen vor, sollte lieber geimpft werden (Peichl 2009).

Infobox - Externe Links zu Beiträgen/Berichten
Aktuelle Meldungen der IDT über Myxomatose und RHD-Seuchenzüge Krankheitsmonitoring
Übersichtskarte zu Ausbrüchen von Myxomatose, RHD & Tularämie Seuchenkarte


RHD

Bei RHD empfehlen Selbitz und Moos (2003) eine einmalige Grundimmunisierung und eine Nachimpfung nach einem Jahr. Boosterungen sind bei Zuchttieren vom Infektionsdruck abhängig. HAH-Titer ab 1:80 können als schützend bewertet werden (Selblitz und Moos 2003). Andere Autoren geben ein Anhalten der Immunisierung von 6 Monaten (Huang 1991) bis 12 Monaten (Arguelleo Villares 1991; Anon 2004) an.

Nach Peichl (2009) hält die Schutzdauer laut OIE (Internationaler Tierseuchenbehörde) mindestens 15 Monate, nach Beipackzettel 12 Monate an. Empfohlen wird eine Impfung entsprechend der Herstellerangaben.

Nach Pharmagal (Hersteller-Impfschema für eigenen Impfstoff) sollte die erste Impfung im Alter von mindestens zehn Wochen erfolgen, falls angebracht ab der 6. Lebenswoche möglich. Vier Wochen später die zweite Impfung. Auffrischung jährlich, Zuchtweibchen eventuell alle 6 Monate.

Nach Hammer (2006) können Kaninchen erst ab einem Alter von sechs Wochen geimpft werden. Nachkommen bereits immunisierter Weibchen sollten ab der 12 Lebenswoche geimpft werden (Selblitz und Moos 2003).

Die Ständige Impfkommission Vet. für Kaninchen (Gültig seit August 2009) empfiehlt eine Grundimmunisierung im Alter von 4 - 6 Wochen und eine Nachimpfung nach 4 Wochen. Bei älteren Tieren soll gemäß Packungsbeilage des Impfstoffs geimpft werden. Wiederholungsimpfungen alle 12 Monate (Häsinnen in intensiver Zuchtnutzung sollten in kürzeren Intervallen - alle 6 Monate - geimpft werden.)

Ewringmann (2005) empfiehlt eine Erstimpfung unabhängig von der Jahreszeit, bei Jungtieren ungeimpfter Häsinnen ab der 6. Lebenswoche, bei Jungtieren geimpfter Häsinnen ab 12. Lebenswoche. Wiederholungsimpfung 1 x jährlich.

Gegen RHD2 wirksame Impfstoffe können derzeit nur importiert werden. Filavac VHD K. C+V mit einmalige Impfung, Wiederholung halbjährlich/jährlich und Cunipravac RHD variant mit zweimaliger Impfung mit 6 Wochen Abstand, Wiederholung halbjährlich.


    Myxomatose

    Nach Peichl (2009) hält die Schutzdauer sechs bis neun Monate an, Impfstoffe auf der Basis von Stamm SG 33 bis zu 10 Monate. Relative viele Tierärzte empfehlen eine Impfung nur bei regionalem Vorkommen der Myxomatose (Peichl 2009). Peichl empfiehlt eine Impfung in Myxomatoseregionen (Wildkaninchen/Zuchttiere) entsprechend den Herstellerangaben.

    Die Ständige Impfkommission Vet. für Kaninchen (Gültig seit August 2009) empfiehlt eine Grundimmunisierung im Alter von 4 - 6 Wochen und eine Nachimpfung nach 4 Wochen. Bei älteren Tieren soll gemäß Packungsbeilage des Impfstoffs geimpft werden. Wiederholungsimpfungen alle 6 Monate: Myxomatose (in Endemiegebieten u. U. alle 4 Monate).

    Nach Riemser (Hersteller-Impfschema für eigenen Impfstoff) sollte in nicht verseuchten Gebieten mit 6 bis 10 Wochen geimpft werden und nach sechs bis neun Monate nachgeimpft werden. In verseuchten Gebieten sollten die Jungtiere zweimal geimpft werden, die erste Impfung mit 4 - 6 Wochen, die zweite nach 3 - 4 Wochen. Nachgeimpft werden sollte nach 4 - 5 Monaten.

    Ewringmann (2005) empfiehlt eine 1. Impfung im Frühjahr (max. ab der 4.Lebenswoche), die zweite Impfung 4 Wochen nach der Erstimpfung, die dritte Impfung 5 - 6 Monate nach der Erstimpfung. Anschließend eine jährliche Wiederholungsimpfung, bei hohem Infektionsdruck inkl. Boosterung.

    Der Hersteller von Nobivac Myxo-RHD gibt eine Wirkungsdauer von einem Jahr an.


    Kaninchenschnupfen

    Der Hersteller empfiehlt eine Impfung der Jungtiere mit zwei Impfungen im Abstand von zwei Wochen. Auffrischung alle 6 Monate. Bei Problembeständen im ersten Drittel der Trächtigkeit und Wiederholungen in verkürzten Abständen (Peichl 2009).

    Die Ständige Impfkommission Vet. für Kaninchen (Gültig seit August 2009) empfiehlt vor allem als Bestandsimpfung in Kaninchenzuchten. Durch regelmäßige Wiederholungsimpfungen soll in Verbindung mit geeigneten veterinärhygienischen Maßnahmen eine Verminderung des Infektionsdrucks im Bestand erzielt werden. Eine Grundimmunisierung erfolgt zwei Mal im Abstand von 14 Tagen ab dem 28. Lebenstag. Die Wiederholungsimpfungen alle 6 Monate; bei intensiv zur Zucht genutzten Häsinnen mindestens vor jeder 2. Trächtigkeit.

    Ewringmann (2005) sieht den Nutzen der Schnupfenimpfung als umstritten an. Geimpft werden sollte erst ab der 4. Lebenswoche. Wiederholungsimpfungen in halbjährlichen Abständen.



    Quellen

    Anon. (2004): OIE Manual of Diagnostic Test and Vaccines for Terrestrial Animals. 5th Edition

    Arguello Villares J.L. (1991) Viral haemorrhagic disease of rabbits: vaccination and immune response. Rev.Sci.Tech. 10, 459-480

    Bundesamt für Veterinärwesen BVET, www.bvet.admin.ch, Stand 01/2011

    Bundesverband praktizierender Tierärzte: Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Vet. für Kaninchen

    Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

    [1] Impfeffekt kann durch manche Medikamente deutlich abgeschwächt werden. Lungenärzte im Netz. Abgerufen am 4. Dezember 2009

    Hoffmann, A., Mergel A., Kussler K. (2004): Unerwünschte Wirkungen nach Aplikation immunulogischer Arzneimittel beim Tier - Zusammenfassung der im Jahre 2004 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen

    Hoffmann, A., Mergel A., Kussler K. (2006): Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe Zur Statistik der im Jahr 2006 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen

    Hoffmann, A., Mergel A., Kussler K. (2007): Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe. Zur Analyse der im Jahr 2007 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen

    Hoffmann, A., Mergel A., Kussler K. (2009): Pharmakovigilanzreport Tierimpfstoffe. Analyse der im Jahr 2008 und 2009 im Paul-Ehrlich-Institut eingegangenen Meldungen

    Holubek, R. (2004): Wann ist ein Kaninchenbestand impfwürdig?

    Holubek, R. (2007): Schutzimpfungen für gesunde Kaninchen

    Hammer M. (2006): Expression des Hauptstrukturproteins des Rabbit Haemorrhagic Disease Virus in transgenen Pflanzen: Untersuchungen zur Antigenität und Immunogenität, Hannover

    Huang H.B. (1991): Vaccination against and immune response to viral haemorrhagic disease of rabbits: a review of research in the People's Republic of China. Rev.Sci.Tech. 10, 481-498.

    Marlier, D.; Mainil, J.; Boucraut-Baralon, C.; Linden, A.; Vindevogel, H. (2000): The efficacy of two vaccination schemes against experimental infection with a virulent amyxomatous or a virulent nodular myxoma virus strain. Journal of comparative pathology 122, 115-122

    Ochsenbein et al.: Protective long-term antibody memory by antigen-driven and T help-dependent differentiation of long-lived memory B cells to short-lived plasma cells independent of secondary lymphoid organs. In: Proc Natl Acad Sci USA. 97, 24, 2000, S. 13263–13268

    Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimitte,pei.de (Stand Januar 2011)

    Peichl, M.: Haustiere impfen mit Verstand. Ein kritischer Ratgeber. Norbert Höpfinger Verlag, 2009

    Rutz C. (2003): Die Myxomatose des Kaninchens: Serologische und molekularbiologische Nachweisverfahren. Epidemiologische Situation in der Schweiz, Veterinärmedizinische Fakultät, Institut für Veterinärbakteriologie, Abteilung Geflügel- und Kaninchenkrankheiten

    Selbitz H.J. und Moos M. 2003: Tierärztliche Impfpraxis, Stuttgart, Enke, ISBN-10: 3830410565