Exkretion und Harntrakt


Exkretion bezeichnet Abgabe körpereigener Stoffwechselprodukte und körperfremder Stoffe aus dem Körper an die Umwelt. Ein Teil dieser Produkte wird von der Niere aus dem Blut gefiltert und über den Urin abgegeben.


Kapitel

Anatomie des Harntraktes

Physiologie des Harntraktes



Anatomie des Harntraktes

Der Harntrakt des Kaninchen besteht aus

  • zwei bohnenförmigen Nieren, in denen die Filtration aus dem Blut erfolgt
  • zwei Harnleiter, welche den Harn von der Niere zur Blase bringen
  • einer Harnblase, als Sammelstelle für den Harn
  • und einer Harnröhre, die den Harn in die Außenwelt bringt

Die Nieren sind in eine dicke Fettschicht eingebettet und von der Größe sehr variabel.

Abbildung 1: Lage des Harntraktes

Abbildung 2: Niere des Kaninchens. Die Niere ist etwa 3,5 cm lang, 2 cm dick und 1 cm breit. Die Größe der Niere ist aber je nach Rasse sehr variabel


Ihre Funktionseinheiten sind die Nephrone. Diese setzen sich aus

  • dem Glomerulus mit der Bowmanschen Kapsel
  • dem proximalen Tubulus
  • der Henleschen Schleife
  • sowie dem distalen Tubulus

zusammen und münden schließlich zu mehreren gemeinsam in einer Sammelrohrstrecke. Der Glomerulus ist ein Gefäßknäul, das sich in den Beginn der Harnwege stülpt. Um die Gefäße bilden Zellen die Blut-Harn-Schranke, welche bestimmte Stoffe aus dem Blut filtert (Ultrafiltration) und damit den Primärharn bildet. Die Flüssigkeit gelangt in die Tubuli, ein Rohrsystem in welchem die Zusammensetzung des Harns (Resorptions- und Sekretionsprozesse) modifiziert wird. Benötigte Stoffe werden wieder aufgenommen, andere werden abgegeben. Zudem wird der Harn stark konzentriert. Am Ende gelangt der Harn über die Sammelrohre in das Nierenbecken, um vor hier als Sekundärharn in die Blase zur Speicherung überführt zu werden.


Abbildung 3: Nephron. Eine vereinfachte Darstellung der Funktionseinheit der Niere. Hier wird das Blut gefiltern und der Harn konzentriert und modifiziert.


Der Harnleiter hat einen Durchmesser von 1 - 2 mm. Die Harnblase ist birnenförmig mit einer sehr dünnen Wand. Die Harnröhre ist bei Weibchen ca. 1,5 cm lang, strohhalmweit und mündet in den Sinus urogenitalis. Bei Männchen ist die männliche Harnröhre sehr eng und unterteilt sich in die kurze Pars prostatica, die lange Pars membranacea und die Pars cavernosa und endet in der Penisspitze.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren sind die Nieren des Kaninchens unipapillär (Spennemann 2002). Die Anzahl der Glomeruli nimmt nach der Geburt noch zu und kann sich stark ändern. (Spennemann 2002)


Physiologie des Harntraktes

Kaninchen weisen eine Besonderheit im Kalziumstoffwechsel auf. Die Kalziumaufnahme wird nicht über den Darm reguliert, mit Steigender Kalziumkonzentration steigt daher auch die Menge an resorbiertem Kalzium. Überschüssiges Kalzium wird dabei über die Niere ausgeschieden. Der Organismus versucht, den Kalziumspiegel konstant zu halten. Bei einer erhöhten Kalziumaufnahme kommt es daher auch zu einer Kalziumerhöhung im Harn. Eine zusätzliche Stimulation der Wasseraufnahme erfolgt dabei nicht.

Im Gegensatz zu anderen Säugetieren fehlt bei Kaninchen das Enzym Carboanhydrase (Spennemann 2002). Bei anderen Tieren ist es entscheidend für die Säure-Base-Regulation in der Niere. Dadurch entsteht ein effektives Puffersystem, was den Kaninchen fehlt. Daher sind Kaninchen besonders anfällig für ketoazidotische Stoffwechselentgleisungen wie Beispielsweise Fettleber (Ewringmann 2005).


Der Harn eines Kaninchens auch bei klinischer Unauffälligkeit kann verschiedene Farbtöne besitzen. So kann der Harn gelblich oder bräunlich, aber auch rötlich sein. Meistens handelt es sich dabei um Porphyrine, seltener auch um Bilirubin bzw. Urobilinogen. Solche Farbstoffe können mit dem normalen Futter (z.B. Löwenzahn) aufgenommen werden und färben den Urin rötlich. Echtes Blut im Urin erkennt man in der Regel an kleinen roten Tropfen oder Schlieren (Ewringmann 2005).

Ein gesundes, ausgewachsenes Kaninchen hat bedingt durch den besonderen Kalziumstoffwechsel einen leicht trüben Harn (physiologische Kristallurie). Klarer Harn ist ein Hinweis auf Kalziummangel, entweder durch chronisches Nierenversagen oder Unterversorgung. Auch andere Erkrankungen wie Beispielsweise Erkrankungen des Magen-Darmtrakt können zu klarem Harn führen (Spennemann 2002).

Bei Jungtieren kann der Harn noch klar sein, da sehr viel Kalzium für das Knochenwachstum benötigt ist (Kamphues 1989). Auch bei anderen Tieren mit erhöhten Kalziumbedarf, wie trächtige oder laktierende Weibchen kann recht klarer Harn vorkommen (Ewringmann 2005).

Abbildung 3: Urinfarben. Unterschiedliche Urinfarben kommen auch bei Wildkaninchen vor. Von gelbich bis rötlich finden sich viele Abstufungen.



Quellen

Ewringmann, A.; Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; Stuttgart, Enke, 2005; 284 S; (Konkret-Kleintier-Praxisbuch); ISBN 3-8304-1020-4

Kamphues, J. (1989): Ca-Stoffwechsel bei Kaninchen - Bedeutung für die Kleintierpraxis; 35. Jahrestagung Fachgruppe Kleintierkrankheiten der DVG, 314-321

Niebergall, A.: Sonographische Befunderhebung am männlichen und weiblichen Harntrakt und am weiblichen Geschlechtsapparat von Zwergkaninchen und Meerschweinchen, Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover 2003

Rappold, S.:Vergleichende Untersuchungen zur Urolithiasis bei Kaninchen und Meerschweinchen, Diss. Tierärztliche Hochschule Hannover 2001

Spennemann B. (2002): Harnuntersuchung beim Heimtierkaninchen; Berlin 2002, Journal-Nr.: 2661